Vortrag am 01. Februar 2016 um 19:30 Uhr im Club Voltaire, Kleine Hochstraße 5, Frankfurt/M.

Referent: Arne Pfeilsticker

Der Vortrag beginnt mit der These, dass Banknoten, Münzen oder die Datensätze der Girokonten keinGeld sind, sondern lediglich Geld nachweisen. Der Unterschied ist vergleichbar mit einem Personalausweis und der Person, die durch den Ausweis nachgewiesen wird.Es stellt sich daher in der Tat die Frage: „Was ist Geld?“ – Der treibenden Kraft hinter Banknoten, Münzen und Girokonten.Zum einen wird die Frage universell beantwortet: Für alle Arten von Geld, in allen Zeiten und in allen Kulturen.

Zum andern geht es ganz konkret um die Frage: „Aus was ist unser heutiges Geld gemacht?“

Wenn wir die Wirkungsmechanismen und Auswirkungen von Geld auf Wirtschaft und Gesellschaft verstehen wollen, dann genügt es nicht, wenn wir uns mit den Nachweisen beschäftigen, sondern wir müssen Geld an und für sich verstehen.

Link zum YouTube-Live-Stream: http://www.youtube.com/watch?v=je-NSQZ4xzI


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Einladung zur 2. Bildungsveranstaltung “Theorie Ökonomischer Globalmengengefüge”
am Mittwoch dem 04. März um 20:30 Uhr

wir werden uns im Rahmen der reinen TÖG mit der Unterscheidung zwischen der Logik der direkten Größenbeziehungen und der Größenmechanik beschäftigen.

In der vorangegangenen Veranstaltung haben wir uns mit den Darstellungsmitteln, insbesondere mit Mengen, beschäftigt und den Fundamentalsatz der TÖG kennengelernt.
Wir hatten die unbedingte Gültigkeit des Fundamentalsatzes herausgearbeitet und ihn auf eine Tautologie im mathematischen Sinne zurückgeführt.

Audiomitschnitt:

https://ia902602.us.archive.org/15/items/Mumble20150211SaldenmechanikVortrag1/Mumble-2015-02-11-Saldenmechanik-Vortrag1.mp3

Um einerseits eine größere Anschaulichkeit zu gewinnen und andererseits einen Eindruck vom besonderen Nutzen im Sinne makroökonomischer Analyse zu erlangen hatten wir uns Beispielen der angewandten TÖG zugewand und in den Folgetagen auf der Mailingliste der AG GOuFP über die Charakterisierung des volkswirtschaftlichen Kreditbedarfs als reines Phänomen von Vorsprungs- und Nachhinkeffekten ausgetauscht. Dieser Vorgriff sollte nicht zu der Annahme verleiten, dass wir uns den Stoff bereits bis zu den Seiten 48-50 der ‘Paradoxa’ vorgearbeitet hätten.
Ich bitte alle Teilnehmer die Zugang zur Lektüre der ‘Paradoxa’ haben bis zur Seite 26 zu lesen. – 1. Hauptteil, 4. Logik der direkten Größenbeziehungen und Mechanik der Vorsprungs- und Nachhinkeffekte.

Ausblick:
In den nächsten 2-3 Bildungsveranstaltungen streben Wolfgang (aka Moneymind) und ich den Abschluß der reinen Theorie (Paradoxa S. 48) an. Sehr wichtig wäre hier vorab eine genaue Lektüre der Begriffsdefinitionen (z. B. Preis, Profit).

Daran schließt sich dann die angewandte Theorie an. Die Inhalte der Seiten 52-101 der ‘Paradoxa’ werden in der ‘Volkswirtschaftlichen Saldenmechanik’ wesentlich ausführlicher behandelt. Da dies einen thematischen Kern der AG GOuFP – der Geldtheorie – abdeckt, möchten wir den Beteiligten dann auch die Lektüre der VWS empfehlen.
Aufgrund der aufgetretenen technischen Probleme mit Openmeetings werden wir uns auf das Mumble beschränken.

Beste Grüße

Rolf Müller

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Hallo liebe Geldordnung Interessierte,

am Mittwoch dem 11. Februar 2015 um 20:30 Uhr

werde ich mich darum bemühen allen Interessierten die von dem Ökonomen Wolfgang Stützel ausgearbeitete Theorie Ökonomischer Globalmengengefüge näher zu bringen.
Aufgrund der Komplexität dieses Themas wird dies die erste von mehreren Veranstaltungen sein die in 2-3 wöchigem Abstand stattfinden werden.
Mit dieser inhaltlichen Unterfütterung werden wir im Anschluss Jörg Buschbeck zu einem Fachgespräch zur TÖG einladen.

Plattform für diese Veranstaltung wird das Tool Openmeetings sein. Eine Softwareinstallation ist für die Teilnehmer nicht erforderlich, da sich das Tool eines Webbrowsers bedient.
Es ist nur nötig einen Account bei folgendem Server einzurichten:

http://wigbold10.piratenpartei-bayern.de:5080/

Mittwoch Abend wird der virtuelle Veranstaltungsraum dann unter folgendem Link erreichbar sein:

http://wigbold10.piratenpartei-bayern.de:5080/openmeetings/#room/82

Eine inhaltliche Untergliederung der Stoffes ist hier einzusehen:

https://aggeldordnungundfinanzpolitik.piratenpad.de/6242

Anregungen für eine Themenauswahl der Nachfolgeveranstaltungen sind willkommen und ggf. bitte im obigen Pad einzutragen.
Zu diesem Zweck sind hier die Inhaltsverzeichnisse der Bücher ‘Paradoxa der Geld- und Konkurrenzwirtschaft’ und ‘Volkswirtschaftliche Saldenmechanik’ verlinkt:

https://dl.dropboxusercontent.com/u/14730145/VWS-Inhalt.PDF
https://dl.dropboxusercontent.com/u/14730145/Paradoxa-Inhalt.PDF

Beste Grüße

Rolf Müller

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Piratos, @PiratosMuc, ist Mitglied in der wirtschaftspolitischen Arbeitsgruppe der Piratenpartei und beschäftigt sich seit Jahren mit der Geldpolitik. Er hat u.a. Vorträge bei Piraten-Veranstaltungen zum Thema »Geld entsteht – Geld vergeht« und zur Schuldenbremse gehalten. Nachdem die EZB  angekündigt hat, für 60 Mrd. Euro pro Monat Staatsanleihen aufzukaufen, haben wir Piratos gefragt, was davon zu halten ist.

Redaktion: Hallo Piratos, Du beschäftigst Dich seit vielen Jahren mit dem Thema Geldpolitik. Hat Dich die Ankündigung Mario Draghis überrascht?

Piratos: Nein. Das war abzusehen, da die Andeutungen in den letzten Wochen schon recht konkret waren. Auch die geplante Höhe ist nichts Besonderes.

Redaktion: In der deutschen Öffentlichkeit wird diese Summe als sehr hoch aufgefasst und das »Fluten« der Märkte sehr kontrovers diskutiert.

Piratos: Ja, das stimmt. Aber leider sind in der öffentlichen Diskussion sehr viele – sagen wir – »Halbwahrheiten« unterwegs. Und ich vermisse eigentlich eine sachliche Aufklärung der Bevölkerung.

Redaktion: Inwiefern?

Piratos: Nun ja, es beginnt schon damit, dass die EZB rein technisch kein Geld in die Realwirtschaft pumpen kann. Dazu muss man wissen, dass es in unserem Währungssystem zwei Geldkreisläufe gibt. Zum einen haben wir das Zentralbankgeld. Der Normalbürger kennt dies nur als Bargeld, welches aber nur Zentralbankgeld ist, damit das Drucken von Bargeld nicht von anderen Stellen durchgeführt wird. Das Bargeld ist auch ein verschwindend kleiner Teil der Zentralbankgeldmenge. Der größte Teil liegt auf Konten der Zentralbank. Solche Zentralbankkonten dürfen aber private Haushalte oder nichtfinanzielle Unternehmen gar nicht eröffnen. Verkürzt gesagt sind es die Konten der Banken bei der EZB. Die Banken leihen sich dieses Zentralbankgeld bei der EZB, um z.B. die Mindestreservepflicht zu erfüllen.
Auf der anderen Seite haben wir das Geld, welches wir von unseren Girokonten kennen, mit dem wir unsere Rechnungen bezahlen. Beide Geldkreisläufe haben nichts miteinander zu tun.

Redaktion: Aber die EZB will doch mit ihrem Zentralbankgeld den Banken Liquidität verschaffen, damit dieses Geld von den Banken an die Realwirtschaft weitergereicht wird.

Piratos: Und genau das geht nicht. Die Banken können kein Zentralbankgeld weiterverleihen. Es gibt keine Verbindung zwischen diesen Geldkreisläufen.

Redaktion: Was passiert dann eigentlich genau, wenn die EZB Staatsanleihen aufkauft?

Piratos: Da gibt es mehrere Varianten.
Kauft sie die Staatsanleihen von Haltern von Zentralbankkonten – das können neben den Banken auch Staaten oder andere Gebietskörperschaften oder öffentlich-rechtliche Institutionen sein – dann tauschen diese Staatsanleihen gegen Zentralbankgeld. Das ist aus bilanzieller Sicht ein sogenannter »Aktivtausch«. Ansonsten passiert erst einmal nichts. Zentralbankguthaben können nicht »ausgegeben« werden. Sie gelangen nie in Umlauf.

Kauft die EZB die Staatsanleihen von Banken, dann ist die Theorie, dass diese nun mehr Kredite vergeben. Das ist aber ein Fehlglaube, denn damit ist nur die Möglichkeit geschaffen, dass Banken mehr Kredite geben können – aber tatsächlich passiert das nur, wenn die Banken das auch wollen und die Kredite von den Wirtschaftsunternehmen auch nachgefragt werden. Auf das erste hat die Zentralbank wenig Einfluss, auf das zweite überhaupt keinen.
Kauft die EZB die Staatsanleihen dagegen von Nichtbanken, dann stellt man sich das am besten als Doppelschritt vor: Das depotführende Institut kauft dem Halter die Staatsanleihen ab (gegen Gutschrift, also Giralgeld) und verkauft sie dann weiter an die Zentralbank (gegen Zentralbankgeld, also eine Gutschrift auf dem Zentralbankkonto). Hier findet also ein Aktivtausch bei der Nichtbank statt – es ist nun mehr Geld »in der Wirtschaft«. Und nun hängt es auch hier davon ab, ob die Nichtbanken dieses Geld einkommenswirksam ausgeben – also in Form von Konsum oder Realinvestition – oder ob sie es einfach wieder anlegen oder damit Kredite tilgen. Im ersten Fall kommt es zu einer wirtschaftlichen Belebung, im letzteren nicht. Auch hier hat die Zentralbank überhaupt keinen Einfluss (allenfalls einen psychologischen).

Redaktion: Die EZB will mit diesen Käufen eine drohende Deflation bekämpfen. Das heißt also, sie muss die Anleihen von Nichtbanken kaufen, damit diese das Geld in der Realwirtschaft ausgeben?

Piratos: Theoretisch ja – praktisch aber wohl eher nicht. Wenn Nichtbanken Anleihen halten, dann deshalb, weil sie das Geld ja eben nicht ausgeben wollen oder gar nicht können, weil ihr Einkommen so hoch ist, dass es für Konsum nicht mehr ausgegeben werden kann.
Hinzu kommt noch, dass aus meiner Sicht das Instrument der Geldmengenausweitung völlig ungeeignet ist, um eine Deflation zu verhindern.

Redaktion: Warum?

Piratos: Was man aus der Vergangenheit lernen kann, ist, dass es keinen signifikanten Zusammenhang von der Geldmenge zur Inflation der Verbraucherpreise gibt, wohl aber zur Inflation der Vermögenspreise. Das wird wohl auch so bleiben – egal, was so gesagt oder geschrieben wird. Die Verbraucherpreise hängen zuerst mal von der Nachfrage ab und die wiederum am Einkommen der Konsumenten. Das hat aber gar nichts mit der Geldmenge, sondern einfach etwas mit den Löhnen zu tun. Wenn zusätzliches Geld nur angelegt wird, dann steigen die Vermögenspreise, die Löhne aber bleiben gleich und damit auch die Verbraucherpreise – genau das erleben wir jetzt.

Redaktion: Das bedeutet also, dass die Löhne erhöht werden müssen, damit eine Deflation in Europa verhindert wird? Aber es heißt doch ständig, dass gespart werden muss.

Piratos: Auch hier wird die öffentliche Diskussion viel zu einseitig geführt. Mir fehlt zum Beispiel der erklärende Zusammenhang zwischen Sparen (bzw. Guthaben) und Schulden. Dazu nur ein Beispiel. In der Zwischenzeit sollte es den meisten Menschen bekannt sein, dass die Geschäftsbanken nicht nur kein Zentralbankgeld verleihen können, sie verleihen überhaupt kein »Guthaben« an Kreditnehmer: Bei Krediten wird das Geld von den Banken zusätzlich geschaffen! In meinem Vortrag in München habe ich dies ausführlich erklärt:

https://www.youtube.com/watch?v=yCfq4QtH7kQ

Man kann das aber auch auf den Seiten der Bundesbank nachlesen, zum Beispiel im »Schülerbuch Geld und Geldpolitik«. Die Bundesbank hält das offenbar für ganz selbstverständliches Schulwissen.
Die Banken schaffen also Geld. Warum ist das so und warum ist das auch gut so? Nun, ganz einfach: wenn Menschen Geld sparen, dann fehlt dieses Geld in der Wirtschaft. Es kann nicht mehr ausgegeben werden. In Deutschland z.B. sparen die privaten Haushalte im Schnitt ca. 10% ihres Einkommens. Das würde bedeuten, dass die Wirtschaftsleistung massiv sinkt. Die Unternehmen können ihre Produkte nicht mehr absetzen und fahren ihre Produktion herunter – und natürlich auch das Personal. Das Ergebnis ist eine höhere Arbeitslosigkeit.

Redaktion: Und um das zu verhindern, muss also wieder neues Geld durch Kredit erschaffen werden?

Piratos: Richtig. Das fehlende Geld muss wieder ersetzt werden. Im Normalfall machen das die Unternehmen oder der Staat, indem sie Kredite für Investitionen aufnehmen.

Redaktion: In Deutschland spart aber der Staat?

Piratos: Nicht nur das. Auch die Unternehmen sind, bedingt durch die Finanzpolitik der Regierungen der letzten Jahrzehnte, in der Zwischenzeit zu Netto-Sparern geworden.

Redaktion: Und wer füllt dann das fehlende Geld auf?

Piratos: Das Ausland. Deutschland hat seit vielen Jahren einen Exportüberschuss. Das bedeutet, dass wir mehr exportieren als importieren. Die Gründe hierfür hängen übrigens auch mit der moderierten Lohnpolitk bei uns in den letzten zwei Jahrzehnten zusammen. Exporte und Importe sind aber immer relativ zueinander. Wenn die Unternehmen eines Landes einen Exportüberschuss haben, müssen zwingend Wirtschaftsteilnehmer irgedeines Landes auf der Welt einen Importüberschuss haben, also mehr importieren, als sie exportieren. Die Unternehmen und Privaten in diesem Land verschulden sich dann oft bei dem Exportüberschussland.
Und damit komme ich zum nächsten Punkt, der ständig falsch in der Öffentlichkeit diskutiert wird: Genauso wie Importe und Exporte sich weltweit auf Null addieren, ergibt die Summe von (Geld-)Schulden und (Geld-)Vermögen Null. Weltweit kann nicht gespart werden, sonst würde die Weltwirtschaft zum Erliegen kommen. Dieser Zusammenhang ist extrem wichtig, aber leider werden die Schuldner in der Öffentlichkeit immer als die Schuldigen dargestellt. Aber ohne die Schuldner könnte es keine Sparer geben. Der Zusammenhang ist im Moment doch deutlich zu sehen. Wenn wir das Prinzip von Angebot und Nachfrage zugrunde legen, haben wir im Moment eine zu niedrige Nachfrage nach Schulden und dieses zeigt sich am niedrigen Zinssatz.

Redaktion: Zurück zum Thema Deflation und Bekämpfung derselben. Du hast gesagt, dass die Anleihenkäufe kein gutes Mittel gegen die Deflation sind. Was wären denn Deiner Meinung nach die richtigeren Maßnahmen?

Piratos: Sparen ist auf jeden Fall das falsche Rezept. Wir brauchen doch nur in unsere eigene Vergangenheit zu schauen: Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts hat Deutschland versucht, sich aus einer Wirtschaftskrise herauszusparen. Dass dies nicht funktioniert hat und welche politischen Verwerfungen dies mit sich brachte, wissen wir ja zur Genüge. Das gleiche falsche Rezept wird seit Jahren mit unseren europäischen Partnern versucht. Auch hier sehen wir schon die politischen Veränderungen. Vom Leid der Bevölkerung in einigen südeuropäischen Ländern mal ganz abgesehen.
Das einzige, was Europa hilft, um aus der Deflationsgefahr herauszukommen, ist eine größere Nachfrage der Konsumenten. Und das geht nun mal nur durch höhere Löhne, oder indem man auf andere Weise ihre Kaufkraft stärkt. Und dieses nicht nur in den sogenannten Krisenländern, sondern auch und gerade bei uns, denn unsere Niedriglohnpolitik in Deutschland hat Europa erst in diese Situation gebracht. Aber das ist ein anderes Thema.

Redaktion: Ich freue mich auf unser nächstes Gespräch, in dem wir über ein paar spannende Vorschläge sprechen werden, die Du in diesem Zusammenhang schon gemacht hast. Für heute erst mal vielen Dank.

Piratos: Kein Problem. Die Menschen über die Zusammenhänge des Geldsystems aufzuklären, ist für uns Piraten sehr wichtig. Denn wie sollte man sich eine Meinung bilden, wenn die Hintergründe im Dunklen bleiben?

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(von Wicksell zur modernern Makroökonomie, September 2012)

Adair Turner Part 1 – Money, Credit and Prices: From Wicksell to Modern Macro-Economics (Youtube)

Vortragstranskription (Auszüge)
Adair Turner, INET

Geld-Schöpfung aus dem Nichts?

 

Es passt gut zum Kontext meines Vortrags, dass ich ihn von China aus halte, wo die Gefahren einer akuten Kreditblase das Land in eine Krise zu führen drohen. Aber es ist auch angemessen, ihn in Schweden zu halten, an der School of Economics in Stockholm, dann hier lehrte und forschte Knut Wicksell. Wicksell lebte zu einer Zeit, in der die meisten Zahlungen schon nicht mehr nur mittels Noten und Münzen abgewickelt wurden, sondern auf Basis von Krediten, und er setzte sich mit der Frage auseinander, was die Konsequenzen daraus wären, wenn Zahlungen nur noch über Kredite anstelle von Münzen und Banknoten realisiert würden. Zunächst betrachtete er “einfache” Kreditsysteme, wo eine Krediterzeugung lediglich auf einer bilateralen Verabredungen zweier Akteure basierte. Das allein würde schon zusätzliche Kaufkraft erzeugen, wie es in einem reinen Metallgeldsystem nicht zu bewerkstelligen wäre. Wenn man darüber hinausgeht und anfängt, ein System für Kredite zu organisieren, womit er ein kommerzielles Bankensystem meinte, mit Giralgeld (deposit money) als fundamentalem Zahlungmittel, dann, so bekräftigte er, erzeuge das definitiv Kaufkraft aus dem Nichts – ‘ex nihilo’.

Manchmal wird gesagt, dass die Banken die Einlagen der Haushalte entgegennehmen und diese dann an Unternehmen und Unternehmer verleihen. Ich denke, das ist eine schlechte Beschreibung dessen, was Banken tun. Wir müssen als Grundlage anerkennen, dass, wie Wicksell behauptet, Banken sowohl das Darlehen an einen Unternehmer kreieren wie auch das Geld auf dessen Konto. Das erzeugt Kaufkraft! Diese Tatsache hängt entscheidend von der Fristentransformation ab, also dem Umstand, dass das Darlehen (loan) einen längeren Tender hat, als das Guthaben (deposit).

 

Was beschränkt Kreditschöpfung?

 

Auch Wicksell kommt dann zur entscheidenden Frage: Wenn Kreditschöpfung Kaufkraft schafft, was beschränkt dann diese Kreditschöpfung eigentlich? Oder haben wir etwa das Problem, dass diese unbegrenzt anwächst und damit Hyperinflation verursacht? Was soll nun also diese Kreditschöpfung auf freie Weise begrenzen, bevor wir die Idee einer Autorität einführen, welche derartige Grenzen zu setzen vermag?

Seiner Annahme zufolge, würden Banken aus freiem Eigeninteresse dazu neigen, Reserven zu halten – Bargeldreserven oder Zentralbankreserven – und die Tatsache, dass sie Reserven im Umfang eines bestimmten Prozentsatzes ihrer Bilanz halten, begrenzt ihre Kredit- und Geldschöpfung.

Dann nennt Wicksell aber drei Umstände, unter welchen sich der Grad dieser Beschränkungen verändern kann. Zunächst, je mehr über das Giralgeldsystem abgewickelt wird, und nicht im Bargeldsystem, desto weniger benötigt das Banksystem, als Ganzes betrachtet, wirklich noch Reserven, weil die einzelne Bank sich nicht darum sorgen braucht, dass die Leute plötzlich dazu übergingen sehr viel Bargeld, in Form von Scheinen und Münzen, aus dem Bankensystem abzuziehen.

Zweitens stellte er die Frage, was geschehe, wenn das Bankensystem aus lediglich einer einzigen Bank bestünde, anstatt vieler in Wettbewerb zueinander stehenden Banken. Das führte m.E. zu einer entscheidenden Erkenntnis, dass man in einem solchen System sicher sein konnte, dass das Geld, das der Unternehmer in Form von Kredit erhält und ausgibt zwar sein Konto verlässt, aber mit Sicherheit auf einem Konto von Jemandem bei derselben Bank landet. Je mehr das Bankensystem also als eine einzige, anstatt vieler Banken organisiert ist, desto weniger Beschränkungen wird es unterliegen.

Drittens bemerkte er, dass zumindest seinerzeit, internationale Zahlungen nicht auf reinem Kreditverkehr beruhten. Es wurden tatsächliche Edelmedalle, Goldbarren, bewegt, oder zumindest Forderungen auf ebendiese Edelmetalle. Und dieser metallische Anker würde gewissermaßen Kreditschöpfung zusätzlich beschränken, anders als das der Fall wäre, wenn die Volkswirtschaft komplett geschlossen wäre oder aber, wenn die gesamte Weltwirtschaft ihre Zahlungen über ein Kreditsystem abwickeln würde.

Ich werde später erläutern, inwiefern sich diese drei Beschränkungen tatsächlich während der letzten 100 Jahre verändert haben und so dem Kreditzyklus immer weniger Grenzen setzen konnten.

Preisstabilität oder aggregiertes nominelles Nachfragewachstum

 

Wicksells grundlegende Erkenntnis ist, dass Banken Kredite, und damit Kaufkraft, erzeugen. Seines Erachtens wäre eine Kontrolle darüber gegeben, wenn eine Zentralbank sicherstellen würden, dass der Geldzins nahe dem Kapitalzins liegt, welcher im wesentlichen der Grenzproduktivität der Kapitals entspricht. Bei seiner Beschreibung trifft er jedoch zwei, wie ich denke, einschänkende Annahmen. Die eine, dass der gesamte neue Kredit an Unternehmer vergeben werde, welche damit reelle physikalische Investitionen tätigten – das sollte sich als inkorrekt herausstellen. Außerdem nimmt er an, dass das fundamentale Problem der Geld-/Kreditschöpfung die Inflationen, bzw. die Preisstabilität ist. Das ist eine sehr stark einschränkende Annahme, die jedoch die meisten modernen Ökonomen und Vorkrisen-Zentralbank-Orthodoxe übernommen haben.

Bevor wir weiter in die Analyse gehen, wollen wir uns zunächst einen kurzen Überblick über die Alternativen zu einem reinen Kreditgeldsystem verschaffen. Da wären Edelmedall-/Goldgeldsysteme deren Beschränkung in der fehlenden Abwärtsflexibilität von Löhnen und Preisen besteht. Aufgrund der absoluten Knappheit ihrer Resource Edelmetall ist es unmöglich, zusätzlich nominelle Nachfrage zu schaffen, und es herrscht ziemliche Übereinstimmung unter Ökonomen, dass Wirtschaftswachstum, wie wir es im 19ten und 20sten Jhdt. kennengelernt haben, unter diesen Umständen nicht möglich gewesen wären. Eine Alternative besteht im Fiatgeldsystem, in welchem der Staat diese Funktion übernimmt, indem er aggregiertes Wachstum der nominellen Nachfrage durch ein ungedecktes Haushaltsdefizit finanziert.

… weiter zu Teil 2

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