Positive Money - Geldreform in England

Positive Money – Geldreform in England

In London findet in einigen Wochen eine Positive Money Konferenz statt. Da auch mindestens ein Geldsystempirat mitfahren wird, erreichte uns ein Begleitschreiben von Prof. Joseph Huber, gedacht für die Reisegruppe.

Ein spezielles Thema für Insider, es steht aber ausser Frage, dass exakte Definitionen in jeder fachlichen Debatte notwendig sind. Wenn das nicht gegeben ist, und die verwendete Begriffe nicht klar definiert sind, gibt es endlose Diskussionsloops. Das zeigt zumindest die Erfahrung aus den Diskussionen der Mailinglisten und Mumblesitzungen der Geldsystempiraten.

Wir nehmen hier also die Gelegenheit war, zumindest bei der Vollgeld-Reform zu einer klaren Begriffsdefinition beizutragen.

Hier Joseph Hubers aktueller Beitrag zum 100%-Vollgeld-Sprachverständnis im Englischen:

“Anscheinend verwendet die britische Geldreformszene den Ausdruck Full-reserve banking seit ca. 2010 (aufgrund einiger Publikationen von Positive Money und der New Economics Foundation) im Sinne des Vollgeld-Konzeptes nach Huber/Robertson, und das bedeutet:
Reserve = Zentralbankgeld, und Full-reserve = ausschließlich von der Zentralbank in Umlauf gebrachte gesetzliche Zahlungsmittel.

Wenn man das so sieht, dann gilt Full reserve = Vollgeld; obwohl das nicht optimal ist, da es in einem solchen System eine ‘Reserve’ im herkömmlichen Sinn, in einem gesplitteten Interbanken- und Publikumskreislauf, überhaupt nicht mehr gibt. Davon abgesehen, kann der engl. Sprachgebrauch trotzdem Verwirrung stiften und bewirken, dass man aneinander vorbei redet, denn Full-reserve banking war in seiner bislang verbreitet gewesenen Verwendung gleichbedeutend mit 100%-Reserve-Banking (Chicago plan, 100%-money nach Fisher). Das muss man wissen, wenn man auf Englisch über Vollgeld redet. Übrigens kann man zu ‘government-issued oder central-bank-issued money’ auch ‘sovereign money’ sagen.

Wenn ich die nun angelaufene Diskussion in der Positive Money Google-Gruppe zu ‘full-reserve banking’ ansehe, auch die daran sich beteiligenden Nicht-Briten, scheint es auch da nun so zu sein, dass ‘Full-reserve banking’ im Sinn von ‘Vollgeld’ verwendet wird (also nicht mehr im Sinn des 100%-reserve-banking der 1930er Jahre).
https://groups.google.com/forum/#!forum/full-reserve

Mit diesem Hinweis können wir nun gut gerüstet nach London reisen. Hier der Link zu der Veranstaltung: http://www.positivemoney.org/conference/

3 Antworten auf 100% Money vs. Vollgeld – Eine internationale Begriffsklärung

  • Klaus Schölzel sagt:

    Hallo,
    ich verfolge Eure Aktivitäten in Sachen Vollgeld mit großem Interesse, weil ich glaube, dass im Vollgeld-Ansatz die Zukunft unseres Geldsystems liegen könnte. Deshalb halte ich es für umso notwendiger, dass die Vordenker dieses Ansatzes versuchen, sich terminologisch wie inhaltlich in eine gemeinsame Richtung zu entwickeln. Wenn das nicht gelingt, wird das Thema Vollgeld einer breiteren Öffentlichkeit schwer vermittelbar sein.
    In dem Zusammenhang wäre hilfreich, einmal die zentralen Unterschiede zwischen ‘Full-reserve banking’ im Sinn von ‘Vollgeld’ und des 100%-reserve-banking der 1930er Jahre zu beschreiben. Immerhin erlebt derzeit der “100%-reserve-banking” Ansatz eine Renaissance in einem IMF Discussion Paper: „The Chicago Plan Revisited“ von Jaromir Benes und Michael Kumhof.
    Links:

    und

    Beste Grüße
    Klaus

  • Lars sagt:

    Auch ich habe mitlerweile großes Interesse an monetären Fragestellungen und bin froh das dies bei den Piraten ein Thema ist. Ich hoffe das sich der Vollgeldansatz möglichst schnell in der Partei gegen Gruppen wie Freebanker, Freiwirte oder Marxisten durchsetzt und mehrheitsfähig wird. Zur Bundestagswahl wäre das ein echtes Alleinstellungsmerkmal und dürfte etablierte Parteien beim Fall des Einzugs in den BT unter Druck setzen. In diesem Sinne:

    Viel Erfolg Geldsystempiraten!!!

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