Monats-Archive: Juli 2012

Peter Bofinger (Quelle Wiki)

Peter Bofinger “Wirtschaftsweiser” (Quelle Wiki)

“Der ESM beschäftigt uns weiter”. Wie könnte es auch anders sein, ist dieses Projekt doch der bisherige Höhepunkt einer Folge von Fehlentwicklungen in Europa, die den Rechtsstaat an sein Ende zu bringen scheinen. Schließlich sind nicht weniger als 7 Vertragsbrüche der europäischen Regierungen, seit in Kraft treten des Lissabon-Vertrags, dokumentiert und aufgezeigt, z.B. durch Christian Felber in seinem Buch “Retten wir den Euro”. Es wird immer deutlicher: “Die Euro-Krise ist eine fundamentale Krise der EU”, und das Konzept des Rechtsstaats befindet sich einer äußerst kritischen Phase.

Der ESM und die möglichen Folgen für Europa und seine Demokratien müssen dringend tiefergehend analysiert und bewertet werden. Die Projektgruppe ESM (entstanden aus interessierten Piraten der AG´s Europa, Geldordnung und Wirtschaft) lädt nun zu einem weiteren Mumble-Highlight ein:

Am 24.07. um 20:00 Uhr wird im AG Raum Wirtschaft in unserer Reihe „Podiumsdiskussion mit Fachleuten“ eine weitere Podiumsdiskussion stattfinden. Als Gäste werden diesmal Klaus Regling (designierter Deutschlandchef des ESM) und Prof. Dr. Peter Bofinger (Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung , also einer der fünf Wirtschaftsweisen) begrüßt. Die Dauer wird ca. 90 min betragen – wie üblich mit anschließender Diskussion. Am Fragenkatalog wird aktuell noch gearbeitet.

Die Diskussion am Dienstag knüpft erfolgreich an vergangene Podiumsdiskussionen mit Fachleuten an. Einen Überblick der zurück liegenden Veranstaltungen findet man hier, teilweise bereits verlinkt und nachzuhören:
http://www.geldsystempiraten.de/wp/?page_id=15

Die Qualität der Veranstaltungen ist unbestritten, die Gäste waren bisher immer vom hohen Niveau der piratigen Mumble-Runden begeistert, nicht zu letzt ein Verdienst der Moderatoren und der AG-Teams, die sich auf die Veranstaltungen inhaltlich sehr gut vorbereiten. Die lobenswerte Arbeit der drei AGs und die zunehmende “Wirtschaftskompetenz”, die sich hier entwickelt, scheint auch immer mehr Freunde in der Piratenbasis zu finden. Jedenfalls wurde der anstehende Mumble mit den Herren Bofinger und Regling auch durch eine Pressemitteilung des Bundesvorstandes gewürdigt. Wir empfehlen diesen Artikel auf www.piratenpartei.de auch für alle Leser, die sich über Mumble oder den neu eingerichteten Audiostream dieser Mumble-Veranstaltung informieren möchten:

http://www.piratenpartei.de/2012/07/19/podiumsdiskussion-zum-esm-vertrag-peter-bofinger-und-klaus-p-regling-zu-gast-bei-den-piraten/

Nun ist man gespannt, wie sich das Gespräch am Dienstag entwickeln wird. Die zwei Gäste zählen zu den Befürwortern des ESM und man wird sehen, wie sie die kritischen Fragen der interessierten Öffentlichkeit beantworten werden.

Projektgruppe ESM: http://wiki.piratenpartei.de/Projektgruppe_ESM

Mumble ist eine Software für Audiokonferenzen – Anleitung hier:
http://www.piratenpartei.de/mitmachen/arbeitsweise-und-tools/mumble/

Alle Mumble-Veranstaltungen, Termin- und Audioarchiv:
http://www.geldsystempiraten.de/wp/?page_id=548
http://www.geldsystempiraten.de/wp/?page_id=15

Die AG Geldordnung und Finanzpolitik ist in den letzten Wochen massiv gewachsen und dürfte mit seinen derzeit ca. 100 Mitgliedern zu einer der größten AG´s innerhalb der Piratenpartei angewachsen sein. Umso wichtiger erscheint es den Mitgliedern, sich eine Struktur zu geben, die den basisdemokratischen Prinzipien treu bleibt, aber trotzdem mehr Effizienz hervorbringt.

Die AG Geldordnung und Finanzpolitik besetzt eines der wichtigsten thematischen Kernbereiche unserer Gesellschaft, denn im Grund hängt eigentlich alles an diesem Tropf, dem Geld. Die AG ist sich der Verantwortung bewusst und man ist sich im Klaren darüber, jetzt muss geliefert werden.

Im wesentlichen gliedert sich die AG nun in Arbeitskreise, die inhaltlich arbeiten, und in Teams, die als interne Servicegruppen für die AG fungieren. Im Ergebnis sollen kurzfristig Positionen und Anträge für die Piraten formuliert und der Basis über verschiedene Kanäle und Medien kommuniziert werden. Die Ziele sind hoch gesteckt, jetzt muss die Basis der AG zeigen, was sie leisten kann.

Mitglieder der AG sind aufgerufen aktiv zu werden. Koordinator Rudi hat die Version 1.0 der Struktur gestern ins Wiki eingestellt:

http://wiki.piratenpartei.de/AG_Geldordnung_und_Finanzpolitik/Arbeitskreise_und_Teams

Die AG freut sich über weitere Mitlieder und Helfer, die uns und die Piraten weiterbringen wollen. Ansprechpartner findet man im Wiki oder jeden Mittwoch ab 20 Uhr live, im Mumble der AG Geldordnung.

Die europäischen Politiker sind ratlos. Hilflos eiern sie von Versuch zu Versuch, die Krise in Europa zu beherrschen und den Euro als Gemeinschaftswährung zu retten.

Wir stehen vor einem Schuldenproblem. Oft hört man, die verschuldeten Länder haben „über Ihre Verhältnisse gelebt“. Doch was heißt das genau?

Wenn ein Land „über seine Verhältnisse“ lebt, so bedeutet dies, dass es mehr ausgibt als es einnimmt. Man kann sich das ganz einfach vorstellen. Waren fließen in ein Land, dafür verlässt Geld das Land.
Bei dem Handelspartner ist es genau umgekehrt. Die Ware verlässt das Land und das Geld fließt in das Land.  Jedes Land kann so ermitteln, welche Leistungsbilanz (bezogen auf Warenströme) und somit auch welche Zahlungsbilanz (bezogen auf die Geldströme)  es besitzt.

Ein „über die Verhältnisse“ leben bedeutet also: das Land kauft mehr Waren im Ausland ein als es selbst dorthin liefert. Damit fließt mehr Geld aus dem Land heraus als in das Land hinein. Das Ganze ist dann ein Leistungsbilanzdefizit. Wichtig ist dabei zu erkennen, dass ein Defizit bei einem Land immer einen Überschuss bei einem anderen Land produziert.

So ein Leistungsbilanzdefizit ist auf Dauer ein Problem für ein Land, dessen Währung fest an seine Handelspartner gekoppelt ist. Es gibt dann zwei Möglichkeiten dieses auszugleichen. Entweder das Land verschuldet sich weiter, das scheint die Methode der Wahl der aktuellen Politik zu sein, oder das „Defizitland“ liefert Waren in das Land, welches zuvor den Leistungsbilanzüberschuss erwirtschaftet hat.

Alle Versuche die derzeit in der Politik unternommen werden, haben zum Ziel die Verschuldungsfähigkeit der Defizitländer zu erhalten – und genau in diese Richtung tendiert auch der ESM.

Die Politik scheint auf dem einen Auge blind zu sein, denn das Problem des Leistungsbilanzdefizits wird  nicht angegangen. Doch wenn die Politik scheitert, muss das Volk nicht tatenlos zusehen. Wir können alle ganz einfach helfen.

KAUFEN WIR WAREN AUS DEN LÄNDERN, DIE HOCH VERSCHULDET SIND!!!

Wir können das Problem gemeinsam lösen, denn wir verursachen das Verschuldungsproblem der Länder insofern, dass wir zwar Waren in die Länder verkaufen, aber das erhaltene Geld nicht wieder in den Ländern ausgeben und somit den Kreislauf nicht schließen.

Doch wenn wir nun, ganz gezielt, Produkte aus Griechenland, Italien und Spanien kaufen, erhalten diese Länder das Geld zurück, das sie brauchen, um ihre Schulden zu zahlen. Auch wenn wir Urlaub in diesen Ländern machen, fließt das Geld zurück. Deutschland liefert als Exportweltmeister seit Jahrzehnten Waren in andere Länder. Wir erhalten dafür Versprechen auf Gegenleistung (Geld). Deutschland fordert jedoch nie die Gegenleistung zurück, sondern sammelt das „Geld“, und das ist das Problem!!

Diese Dynamik sollte enden, um das Verschuldungsproblem zu überwinden. Wenn die Deutschen endlich anfangen, sich die Gegenleistung zurück zu holen. Indem sie ihr Geld nehmen und dafür Waren der verschuldeten Länder kaufen, erhalten die Länder das Geld, welches sie benötigen um Ihre Schulden zu tilgen.

WAHRE SOLIDARITÄT ZU DEN MENSCHEN IN DEN BETROFFENEN LÄNDERN ZEIGT MAN AM BESTEN, WENN MAN DEN MENSCHEN WIEDER EIN EINKOMMEN GIBT. DER ESM ZEIGT SICH NUR MIT DEN BESITZERN VON STAATSANLEIHEN SOLIDARISCH, UND IST AUCH DESHALB ABZULEHNEN.

Kaufen wir also Produkte aus den verschuldeten Ländern und genießen wir dort einen Urlaub, bei dem wir gleichzeitig noch „was Gutes tun“.

Und nicht zuletzt ändern wir dadurch auch wieder das Ansehen der Deutschen in Europa, dass durch die bisherigen “Rettungsversuche” stark gelitten hat.

Piratige Grüße, Piratos

Am 25.6. 2012 war Professor Otte zu Gast im Mumble der Geldsystempiraten. Das Gespräch mit dem Wirtschaftswissenschaftler auf dem Podium der AG Geldordnung fand reges Interesse. Besprochen wurden unter anderem die Probleme des Euro, der Weltwährungsysteme, sowie ESM/Fiskalpakt und die möglichen Folgen für die europäischen Länder.

Herr Otte war, wie unsere vorherigen Gäste auch, angetan vom Engagement der Piraten. Das vollständige und aufschlussreiche Gespräch über die Lage, kurz vor der Abstimmung zum ESM in Bundestag und Bundesrat, kann man hier nachhören: