Monats-Archive: November 2012

Helge Peukert

Helge Peukert

Neues Deutschland bringt ein Interview mit Helge Peukert, darin geht es um die “Mutter aller Geldreformen”:

“Zu den Kritikern der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zählen die Anhänger des Vollgeldsystems. Bei diesem dürfen Banken nur dann Kredite vergeben, wenn die entsprechende Summe durch Kundeneinlagen oder bei der Zentralbank geliehenes Geld gedeckt ist. Zu den wichtigsten Vertretern gehört Helge Peukert (geb. 1956), Professor für Finanzwissenschaft und Finanzsoziologie an der Universität Erfurt. Er ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Attac, bei Occupy Money sowie beim Verein Monetative, der sich für eine Vollgeldreform stark macht. Mit dem Ökonomen sprach für »nd« Thomas Trares. “

Ein Auszug aus dem Interview:

“Handelt es sich beim Vollgeldkonzept um mehr als Gedankenspiele alternativer Ökonomen?
Es ist natürlich nicht im Interesse der Banken, dass das Vollgeld kommt. Auch die Politik ist noch nicht soweit. In einigen politischen Lagern wurde das System aber schon aufgegriffen, zum Beispiel von Sahra Wagenknecht. Dabei ist das Vollgeld ursprünglich eine liberale Vorstellung, die sogar von Milton Friedman und mit Modifikationen auch von Walter Eucken vertreten wurde, dem Erzheiligen der deutschen Ordoliberalen.”

Der komplette Artikel:

http://www.neues-deutschland.de/artikel/804419.gegen-die-kreditexzesse-der-banken.html

Michael Kumhof und Jeromir Benes (beide Mitarbeiter beim IWF) haben mit Ihrer Arbeit ” The Chicago Plan Revisited” eine hochinteressante Entwicklung mit angestoßen. Dies schreibt die NZZ (wahrlich kein linkes Blatt) in einem neuen Artikel. Die Debatte um Annullierung von Staatsschulden beginnt.

Auszug:

“Wachsendes Interesse

Wie sehr Investoren eine Annullierung von Staatsschulden beschäftigt, deutet Michala Marcussen, leitende Ökonomin der Société Générale, an: Unter ihren Klienten sei dies gegenwärtig sogar die dominierende Frage. Aufgegriffen haben das Thema auch Wirtschaftsblätter wie die «Financial Times» und das «Wall Street Journal». Die Debatte angeregt zu haben scheint ein Arbeitspapier von Jaromir Benes und Michael Kumhof, Mitarbeitern des Internationalen Währungsfonds (IMF), mit dem Titel «The Chicago Plan Revisited». Sie greifen Vorschläge der Ökonomen Irving Fisher und Henry Simons aus den 1930er Jahren zur Reform des monetären Systems auf. Diese würden mit einer Streichung von Staatsschulden einhergehen.”
http://www.nzz.ch/finanzen/uebersicht/boersen_und_maerkte/debatte-um-annullierung-von-staatsschulden-1.17759016

Ergänzend möchte ich hier noch auf 2 Beiträge von Robert Rethfeld (Wellenreiter) hinweisen, der sich dem Thema seit September ebenfalls angenommen hat:

http://www.wellenreiter-invest.de/WellenreiterWoche/Wellenreiter121106.htm
http://www.wellenreiter-invest.de/WellenreiterWoche/Wellenreiter120926.htm

Von vielen Seiten kommen Rufe nach einem Rückbau des Euro. Mal wird gefordert, dass Griechenland austreten soll, und mal wird gefordert, dass Deutschland austreten soll, auch innerhalb der Piratenpartei.

Aber was würde eigentlich passieren, wenn Deutschland aus dem Euro austritt? In der ZEIT entwirft der Ökonom und Leiter des IMK Prof. Gustav Horn ein Szenario, und legt uns damit nahe, dass es nicht nur um Staatsschulden und Verbindlichkeiten im ESM geht:

“Ein Jahr nach dem Austritt aus dem Euro befindet sich Deutschland in einer tiefen Rezession mit stark steigender Arbeitslosigkeit. Mittlerweile ist auch die Binnennachfrage auf Talfahrt, da die geringen Lohnsteigerungen und der Stellenabbau nunmehr den Konsum belasten. Gleichzeitig kündigen immer mehr Unternehmen die Verlagerung von Arbeitsplätzen in den Euroraum, nach Asien oder in die USA an.”

Den lesenswerten Artikel findet ihr hier.

Für uns wirft dieser Artikel wichtige Fragen auf: Wie wahrscheinlich ist das skizzierte Szenario? Können die Folgeschäden des Euro-Austritts bewältigt werden, und wenn ja, wie? Und könnte man mit den gleichen Methoden nicht auch die Folgeschäden der Eurokrise in Ländern wie Spanien bewältigen?

Die Geldschöpfung ist ein Privileg. In unserem heutigen System werden ca. 97% des Geldes von Privatbanken geschöpft. Wer hätte das gedacht? Die meisten Menschen glauben noch, dass unsere Zentralbanken das Geld “machen”. Das ist nicht ganz falsch, betrifft aber nur die Banknoten und Münzen. Der Rest entsteht bei Kreditvergabe in der Bank. Wir leben im Zeitalter des Giralgeldes und man fragt sich, warum der Staat nicht auch in diesem Bereich des Giralgeldes die Hoheit über die Geldschöpfung inne hat? Das hätte einige Vorteile für die Allgemeinheit. Zuletzt hat dies auch der IWF-Forscher Michael Kumhof bestätigt. Es wird höchste Zeit, dass sich die Politik mit diesem Thema intensiv auseinandersetzt.

Die Bewegung für eine Reform der Geldschöpfung ist international. In Deutschland ist vor allem der Verein Monetative e.V. aktiv und fordert “Geldschöpfung in öffentliche Hand”, in der Schweiz strebt der Verein Monetäre Modernisierung eine Volksabstimmung über das sogenannte Vollgeld an! In England gibt es Positive Money . Die Gruppierung um Ben Dyson ist auch Teil der aktuell erschienen, englischsprachigen Video-Dokumentation 97% Owned – Monetary Reform documentary – Directors Cut. Eine ausführliche und gut gemachte, daher empfehlenswerte Dokumentation zu diesem Thema. Teilen!
(Nachtrag: Hier eine Kurzversion des Films mit deutschen Untertiteln:  https://www.youtube.com/watch?v=d3mfkD6Ky5o)

In seiner gewohnten Polemik beantwortet Otmar Pregeter diese Frage in The Intelligence mit einem klaren Ja. An den ökonomischen Zusammenhängen, die hier aufgezeigt werden, lässt sich schwerlich rütteln.

Der Artikel beginnt mit einem provokanten Zitat:

Es ist Klassenkampf, alles klar, aber es ist meine Klasse, die reiche Klasse, die Krieg führt und wir werden gewinnen.” – Warren Buffett

Endet der “neoliberale Putsch” mit der Abschaffung der Demokratie?

http://www.theintelligence.de/index.php/politik/kommentare/5006-endet-der-neoliberale-putsch-mit-der-abschaffung-der-demokratie.html