Interviews

Expertengespräche im Mumble sind ein Instrument für Piraten, ihre eigenen “Filterbubbles” zu verlassen, bzw. mit anderen Sichtweisen abzugleichen. Im Zeichen der Krise der letzten Jahre, ist insbesondere auf dem Gebiet der Geld- und Finanzpolitik der Kampf um Deutungshoheiten entbrannt. Ein Konsens mit einer einzigartigen Lösung, um die Probleme zu bereinigen, gibt es offenbar nicht.

Die Piraten beteiligen sich aktiv an einer Klärung der Lage. Die Expertenmumbles dienen dazu, die Vernetzung mit Experten aus verschiedenen Lagern voranzutreiben, und dadurch eine breite gesellschaftliche Debatte über die Zukunft unserer Gesellschaft zu unterstützen. Insofern versteht sich die AG Geldordnung auch als “thinktank” der sich die Offenheit bewahren möchte, um keinen Dogmatismus aufkommen zu lassen.

Auch im aktuellesten “Mumble” können wir wieder die eigene bubble verlassen und die Denkstrukturen der beiden Gäste kennenlernen. Im Rahmen des Bundestagswahlkampfs sind in nächster Zeit hier weitere Podiumsdiskussionen zu erwarten. Die positiven Erfahrungen mit diesem Format innerhalb der AG Geldordnung führen jetzt zur Gründung einer eigenen Servicegruppe (SG) für Expertenmumbles innerhalb der Piratenpartei. Dort wird die Planung und Durchführung ähnlicher Veranstaltungen, auch jenseits des Themengebiets der Geldordnung, unterstützt.

P.S.: Die Bananenrepublik hat eine kurze Zusammenfassung (Trailer) des Videos erstellt, hier abrufbar, gerne auch zum Teilen: http://www.youtube.com/watch?v=d7eo7zkaIDE

Das Gespräch mit Sven Giegold (Finanzexperte der Grünen im Europaparlament) wurde im Janaur 2013 aufgezeichnet. Er spricht offen und ehrlich über die realpolitischen Schranken, die momentan eine tiefergehende Geldreformdebatte in den Parlamenten unmöglich machen. Die “Gefechtslage” würde sich erst ändern, wenn sich mindestens 15% der progressiven Ökonomen für eine solche Debatte einsetzen würden.

Für die Geldsystempiraten bleibt die Forderung nach einer breit angelegten, öffentliche Debatte über das Geldsystem eine Grundforderung. Dies gilt auch insbesondere für die Mitglieder und Mandatsträger der Piraten. Informiert Euch!

Übrigens läuft derzeit eine LQFB-Ini über das Vollgeld. Unterstützer sind willkommen zu zeichnen: Finanzsystem demokratisieren. Mit Vollgeld und Monetative!

Weitere Informationen:

http://wiki.piratenpartei.de/AG_Geldordnung_und_Finanzpolitik/ThemaVollgeldreform

www.monetative.de

http://www.positivemoney.org/

Die AG Geldordnung und Finanzpolitik veranstaltet in regelmäßigen Abständen Fachgespräche mit bekannten Ökonomen. Am 7.11. 2012 kam der international renommierte Wirtschaftswissenschaftler Prof. Richard Werner ins Mumble der AG Geldordnung und Finanzpolitik. Es dürfte eines der diesjährigen Mumble-Highlights der Geldsystempiraten gewesen sein.

Die Dokumentation dieser Podiumsdiskussion kann als ein Pflichttermin für alle auf Wirtschafts- und Finanzpolitik spezialisierte PiratInnen gesehen werden. Denn gemäss der Ausführungen von Prof. Werner  müsste die Geschichte der VWL neu geschrieben werden. Ein Paradigmenwechsel in den gängigen Lehrmeinungen über Wirtschaftsmodelle scheint dringend angezeigt.

Mit der Aussage, dass es keine empirischen Belege dafür gibt, dass der Zins eine wichtige Kausalvariable zur Steuerung der Wirtschaft darstellt, stellt Werner die allgemeine Lehrmeinung in Frage und macht deutlich: Der Zins als geldpolitisches Werkzeug ist untauglich.

Werner spricht sich daher für eine Neuorientierung in der Volkswirtschaftslehre aus. Die Bedeutung der Banken im Zentrum der Wirtschaft wurde bisher nicht beachtet und in den VWL-Studiengängen und Lehrbüchern findet die Funktionsweise der Banken oder das Thema Geldschöpfung keine Beachtung. Es kann daher nicht weiter verwundern, daß die Mainstream-Volkswirtschaftslehre in der Krisensituation versagt hat. Die Geldschöpfung und das Bankenwesen muss in das Zentrum der Wirtschaftsmodelle gestellt werden, denn Kreditschöpfungsentscheidungen gestalten die wirtschaftliche Landschaft in erheblicher Weise.

Werner unterscheidet in seiner Analyse 3 Modelle der Kreditschöpfung:

1. Die gute Kreditschöpfung (für produktive Zwecke, Investitionen usw.)
2. Konsumkredite (Teil des BIP für Konsum)
3. Kreditvergabe für Transaktionen (Tragen nicht zum BIP bei)

Werner rät dringend zu einem pragmatischen Lösungsansatz, um die Kosten der Krise in den Griff zu bekommen.
Sein Reformvorschlag sieht vor Banken zu sanieren, indem die Zentralbanken die Löcher in den Bankbilanzen zum Buchwert übernehmen (Tatsachenbuchhaltung).
Den Zentralbanken entstehen dadurch keine Kosten, es entsteht keine neue Inflation, der Steuerzahler muss nicht mehr für die Rettungskosten aufkommen und auch der Sparzwang wird überwunden. Banken wird damit geholfen wieder Produktivkredite zu vergeben, die Aufschwung erzeugen.
Um den Staat zu entlasten soll davon abgekommen werden Staatsanleihen auszugeben. Stattdessen soll der Kreditmarktzins genutzt werden, denn Primärmarktzinsen sind zum Einen wesentlich niedriger als Anleihemarktzinsen, und zum Anderen sind die Staaten durch diese Vorgehensweise nicht länger den Spekulanten ausgeliefert.

Er schlägt damit einen politisch machbaren und kurzfristigen Weg vor, die Staatsschuldenkrise kostengünstig in den Griff zu bekommen. Die Staaten würden sich das Geld also direkt bei den Geldschöpfern besorgen, und das sind derzeit die Banken.

Richard Werner gilt auch als ein Unterstützer der Monetative, also einer Verlagerung der Geldschöpfung von den privaten Banken hin zur öffentlichen Hand. Dies ist aber ein Vorschlag, der noch weiter geht und weit mehr politische Aufklärungsarbeit erfordert. Somit ist Werners Reformplan in der momentanen Situation realistischer und wäre politisch einfach umsetzbar.
Warum Werner´s Ausführungen bei den politisch Verantwortlichen bisher auf wenig Resonanz stossen? Auch darauf gibt Werner eine offene und zugleich schockierende Antwort.
Könnte es sein, dass die anhaltende Finanz- und Staatschuldenkrise der europäischen Länder politisch gewünscht ist…?

(Anmerkung: Dieser Artikel beruht auf den Aufzeichnungen eines Protokolls, den genauen Wortlaut der Aussagen Werners kann man in dem obigen Video hören.)

Hier das zweite Interview vom bpt in Bochum. Tobias Deiters alias Piratos über die Wirtschaftsanträge PA091 und PA444, über die kritischen Inhalte des PA091, über Basisdemokratie und die Vorteile einen bpt zu besuchen.

Das erste Geldsystempiraten-Interview aus Bochum ist fertig. Matthias Garscha, Koordinator der AG Geldordnung und FInanzpolitik, beantwortet ein paar Fragen zu den am Rande des bpt in Bochum. Es geht um die heiss umkämpften Anträge PA091 und PA444, um Motivation der Piraten, die Bloggerszene im Bereich Wirtschaft und Finanzen und um ein Alleinstellungsmerkmal der Piraten im Bereich nachhaltige Finanzordnung.

Weitere Interviews mit Tobias Deiters und Arne Pfeilsticker sind in Arbeit…