Jeder kennt sie und die meisten akzeptieren sie – einfach so. Die Gebühren, die von Banken erhoben werden. Ob diese rechtens sind oder nicht, das kann der Normalbürger kaum erfassen. Zum Glück gibt es Organisationen, die sich für die Rechte der Bürger einsetzen, wie zum Beispiel die Verbraucherzentrale. Diese Organisationen erstreiten dann gelegentlich unser Recht vor den obersten Gerichten und publizieren diese Ergebnisse dann auch. Leider bekommt der Bürger oftmals davon nichts mit. Nun möchte ich eine kleine Geschichte erzählen, die mir selber vor kurzem passiert ist.

Neulich sah ich zufällig im Vormittagsprogramm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ein Interview mit einer Mitarbeiterin der Verbraucherzentrale. Das Thema war der Titel dieses Artikels.

Ich trank meinen Morgen-Kaffee und hörte schlaftrunken zu, als plötzlich die Worte fielen, die mich aufhorchen ließen: „Banken dürfen bei Darlehen keine Kontoführungsgebühren in Rechnung stellen.

Sofort habe ich den Becher Kaffee abgestellt, den PC hochgefahren und die Suchmaschine meines VertrauensTM befragt. Das Ergebnis war ein Urteil des Bundesgerichthofs.

Daraufhin habe ich eine Mail an meine Ansprechpartnerin bei meiner Hausbank geschickt, ihr den Link des BGH-Urteils übermittelt und höflich nachgefragt, ob sie dazu Stellung nehmen könnte. Zwei Tage später fand ich einen Brief von der Kreditabteilung im Briefkasten. Ich zitiere aus diesem Brief:

Sehr geehrter Herr XY,

Ihre Nachricht vom … haben wir erhalten.
Auf Basis der regelmäßigen Verjährungsfrist von 3 Jahren erstatten wir Ihnen für die o.g. Darlehen den Kontoführungspreis zuzüglich Zinsen wie folgt:

[Auflistung der Darlehen und Beträge nebst Zinsen]

Die Ausgewiesene Gesamtsumme werden wir – wie gewünscht – auf Ihr bei uns geführtes Giro-Konto XY überweisen.

Einfach so. Mal eben knapp 120 Euro zurück von der Bank.

Falls es dem Leser nicht aufgefallen ist: Das BGH-Urteil ist vom 07. Juni 2011! Die Bank hat also trotz höchstrichterlichem Urteil diese Gebühren in den Folgejahren weiter abgebucht und wenn ich mich nicht gemeldet hätte, wäre dies auch weiterhin so passiert.

Liebe Leser: Bitte schaut nach, ob ihr bei euren Immobilien- oder Konsumer-Darlehen (z.B. für ein Auto) Kontoführungsgebühren berechnet bekommt. Diese sind nicht rechtens. Wehrt euch dagegen! Macht es so wie ich, indem Ihr euren Ansprechpartner bei eurer Bank eine Mail schreibt oder nutzt den Musterbrief der Verbraucherzentrale.

11 Antworten auf Die Banken und ihre Gebühren

  • Lockez sagt:

    Freut mich, daß es solche Infos gibt !
    Tatsächlich ist dieses Urteil von den Mainstream-Medien unterdrückt worden.
    Immer das selbe Theater mit diesen Marionetten-Nachrichtendiensten, alles nur Popotauchende-Bücklinge !!!

  • JennyGER sagt:

    Hallo Rudi,
    toller Artikel! Allerdings vergisst du ein Schlupfloch, welches Banken gerne nutzen. Das Kontoführungsentgelt für Kreditkonten ist zwar verboten, aber die Bank kann z.B. ein Serviceentgelt für den Darlehensauszug verlangen. Es gibt tatsächlich Banken, die verlangen 12 Euro pro Jahr für den Darlehenskontoauszug. So kann man das Urteil umgehen. Weil es sich um ein Serviceentgelt handelt, kann der kunde aber auf den Service verzichteten; eine Rückerstattung gibts dann aber nicht.

    lg,
    Jenny

    • Rudi sagt:

      Hallo Jenny,

      das ist korrekt.
      Allerdings wird dieser Darlehenskontoauszug nur benötigt, wenn man z.B. dem Finanzamt gegenüber die Zinsaufwendungen (z.B. bei Vermietungen) darlegen muss. Dafür reicht es aber auch, die monatllichen Giro-Kontoauszüge zu nehmen. Dort werden bei Darlehens-Abbuchungen die Zinsen und die Tilgung explizit ausgewiesen.

      Gruß
      Rudi

  • Stephan sagt:

    Eventuell sollte man als ersten Schritt nicht die Bank anschreiben sondern eine Anzeige wegen Diebstahl tätigen.
    Anders scheinen es die Kassen und Banken ja nicht zu wollen.
    Wider besseren Wissens das Geld kassieren, erfüllt wohl eindeutig den Tatbestand.

    • UlliZ sagt:

      Anzeige wegen Diebstahl ist natürlich grober Unfug, damit kann man sich vor allem lächerlich machen.
      Dagegen rechtzeitige Rückforderung der Gebühren, bevor etwas verjährt, und eventuell wenn es klemmt den Ombudsmann einschalten, das ist der richtige Weg, alles andere ist blinder sinnfreie Aktionismus.

      Aber ich will auch niemand davon abhalten, sinnlose Anzeigen zu erstatten. Wenn derjenige dann aber von deren Wirkungslosigkeit frustriert ist, beschwere er sich bitte nicht in diesem Forum.

      • kme70 sagt:

        Diebstahl ist das falsche Delikt, denn die Bank hat ja nichts weggenommen sondern “nur” einbehalten. Also eher Betrug oder Ähnliches. Wenn dieses Verhalten der Banken gar nicht verboten ist, dann wäre es ja OK, wenn sie so weiter machen und den 0,1%, die sich beschweren, das Geld erstatten.

      • Nilix sagt:

        Eine Anzeige wegen Diebstahl ist mit Sicherheit grober Unfug, aber eine Anzeige wegen Betruges könnte in Betracht kommen. Die Bank veranlasst den Kunden zur Zahlung von Kto-Führungsgebühren, obwohl sie genau weiss, dass es das Urteil den BGH gibt. Hier könnte man m. E. durchaus eine Täuschungshandlung zur Veranlassung der Zahlungen annehmen. Zumal die Bank dem Kunden in dieser Hinsicht durch ihre Fachkundigkeit überlegen ist.

  • Masul Aben sagt:

    Meine Erfahrung die ich machen musste ist ähnlich. Bei der VoBa habe ich aufgrund, weil ich keine Konto hatte und Hatz 4 Empfänger bin ein P-Konto beantragt und war froh das ich eins bekam, da meine Schufa nicht die aller Beste ist. Doch mir ist dann so nach einem Jahr aufgefallen, dass meine Kontoführungsgebühren schwankten zwischen 4,60€ bis 8,50€. Beim Geld raus lassen am Automaten steht immer auf dem Kontoauszug dann Geb. 0,00€. Ich habe lediglich einen Dauerauftrag für den Energieversorger. Auf nachfragen und nachschauen, sagte man mir das sei aus den Vormonaten nachträglich nachgebucht, weil ich da mehr auf dem Konto bewegt hätte. Das war aber nicht so. Ich wollte nichts sagen, weil ich bin ja froh das ich wenigstens bei einer Bank ein P-Konto bekommen hatte, denn andere Banken in meinem Ort lehnten mich schon bei der Frage nach einem P-Konto ab(wörtlich O-Ton: Anweisung von oben). Ich hatte richtig Angst gehabt das ich wegen meiner Frag nach den Kontogebühren gekündigt hätte werden können. Es ist jetzt nun schon eine Weile her und ich habe zum Glück immer noch mein Konto.
    Ich schreibe das mit einem erfunden Namen, damit ich keine Schwierigkeiten bekomme, falls das gelesen wird.

  • Schlomoschorsch sagt:

    Vor über 10 Jahren hat mir ein Freund eine ähnliche Geschichte über seinen Arbeitgeber erzählt. Er arbeitete bei Mobilcom im Callcenter und auch hier wurde eine Gebühr (leider weiß ich nicht merh welche) als gesetzeswidrig erklärt und dennoch weiter erhoben. Sie bekamen die Vorgabe, dass diese Gebühr sofort gestrichen werden sollte, falls sich ein Kunde darüber beschwert oder auch nur Fragt, ob das den überhaupt legal sei. In diesem Fall hatte sie die Vorgabe, sich bei den Kunden zu entschuldigen, es als einen Fehler im Computersystem darstellen und anschließen einen Vermerk darüber in der Kundendatei zu hinterlassen, damit die Gebühr nicht mehr erhoben wird.
    Alle anderen durften weiter zahlen und auch bei Neukunden wurde diese Gebühr erhoben.

  • NeuesGesichtHier sagt:

    Hallo,
    interessanter Artikel. Leider kann ich die Begrifflichkeiten nicht genau abgrenzen. Kontoführungsgebühren meinen wohl nicht die wohlbekannten Gebühren alle drei Monate für den Service der Kontoführung (Überweisungen, Kontoauszüge etc.). Wohl auch nicht die Zinsen für Überziehungskredite. Was ist aber genau ein Darlehen? Trifft das auf einen Privatkredit bei einem Institut zu, den man über die Jahre abstottert, also Rahmenkredittilgung und Rahmenkreditzinsen? Sind diese Rahmenkreditzinsen damit gemeint? Bzw. muss man sich genau ansehen, ob in den beiden Summe auch ein Teil für die Kontoführung eines gesonderten Abrechnungskontos der darlehengebenden Bank enthalten sind? Kann jemand Licht ins Dunkel bringen?

    Ansonsten eine wirklich gute Diskussionsplattform, ich habe schon einige der Videos (Flassbeck, J.Berger, etc.) gesehen.

    • Rudi sagt:

      Hallo und herzlich Willkommen,

      es geht bei dem BGH-Urteil ganz speziell um die Kontoführungsgebühren, die Banken (teilweise immer noch) für Darlehen nehmen. Mit Darlehen sind NICHT Überziehungskredite auf deinem Girokonto gemeint, sondern z.B. Hypothekendarlehen (Hauskauf oder -bau) oder Konsumerdarlehen (z.B. für eine Auto oder eine neue Schrankwand).
      In meinem Fall habe ich jährlich einen Kontoauszug bekommen, bei dem dann die Kontoführungsgebühren benannt (und abgebucht) wurden.
      Es gibt auch andere Fälle, bei denen die Kontoführungsgebühren in dem Darlehensvertrag als monatliche Kosten ausgewiesen werden und dementsprechend auf die eigentliche Kreditrate aufgeschlagen werden. Auch diese sind nicht rechtens.
      Also: Wer ein (Hypotheken- oder Konsumer-) Darlehen bei einer Bank hat, sollte entweder schauen, ob jährlich Kontoführungsgebühren abgebucht werden, oder auf dem ursprünglichen Kreditvetrag nachsehen, ob dort eine monatliche Kontoführungsgebühr in die Kreditrate “eingepreist” wurde. Beides könnt ihr zurück fordern.

      Gruß
      Rudi

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