Dieser Beitrag ist Teil unsere kleinen Reihe “Populäre Irrtümer”.

Es ist ein heißes Thema: Wie beenden wir die Finanzkrise im Euroraum? Wer bezahlt für ihre Spätfolgen? Oder auch: Bezahlt überhaupt irgendjemand dafür?

Um überhaupt eine Grundlage zur Beantwortung solcher Fragen zu haben, sollten wir uns unter anderem darüber unterhalten, welche Gelder bis jetzt geflossen sind. In den Medien lesen wir von gigantischen Zahlen. Eine dieser Zahlen sind die sogenannten Target-Salden. Deutschland hat Target-Forderungen in dreistelliger Milliardenhöhe gegenüber dem restlichen Euroraum.

Das wird dann in den Medien oft so dargestellt, als hätte Deutschland verdammt viel Geld in andere Teile des Euroraums geschickt. In Wirklichkeit ist aber genau das Gegenteil geschehen: Die Target-Salden dokumentieren, dass verdammt viel Geld aus anderen Teilen des Euroraums nach Deutschland geflossen ist. Dazu müssen wir etwas weiter ausholen.

 

Was sind eigentlich Target-Salden?

Es gibt ein paar grundlegende Dinge aus der Finanzwelt, die eigentlich in jedem Lehrplan stehen müssten. Eines dieser Dinge ist: Wie funktionieren eigentlich Überweisungen? Natürlich kennt jeder Online-Banking und Überweisungsvordrucke. Aber was passiert hinter den Kulissen? Das weiß fast niemand, und das haben auch wir uns mühsam erarbeiten müssen. Dieses Wissen ist aber essentiell, um die Bedeutung der Target-Salden zu verstehen.

Wenn Person A von ihrem Konto bei der A-Bank etwas Geld an Person B mit Konto bei der B-Bank überweist, dann gleichen die Banken diese Zahlungen untereinander aus, indem die A-Bank eine zweite, parallel laufende Überweisung tätigt, bei der Zentralbankgeld vom Konto der A-Bank bei der Zentralbank auf das Zentralbankkonto der B-Bank überwiesen wird. So logisch, so einfach (und zugegebenermaßen auch etwas vereinfacht), so gut. Mit etwas mehr Details habe ich den ganzen Vorgang hier beschrieben.

Nun ist das Europäische Zentralbanksystem nicht vollständig vereinheitlicht. Es gibt zwar die EZB als eigentliche Zentralbank des Euroraums. Aber auch die Zentralbanken der Staaten existieren weiter. Diese nationalen Zentralbanken erstellen auch nach wie vor separate Bilanzen – hier ist die der Bundesbank (ab Seite 144), der deutschen Zentralbank.

In den Bilanzen der nationalen Zentralbanken stehen die Zentralbankkonten der Banken aus diesem jeweiligen Land auf der Passiv-Seite, wie das in einer Bankbilanz eben üblich ist.

Wenn nun Menschen und Unternehmen in Griechenland weitaus mehr aus Deutschland importieren als umgekehrt, dann wird mehr Geld aus Griechenland nach Deutschland überwiesen als umgekehrt. Das bedeutet natürlich auch, dass — netto betrachtet — griechische Banken Zentralbankgeld an deutsche Banken überwiesen haben. Die Passiv-Seite der Bilanz der Bundesbank ist deshalb im Laufe der Jahre deutlich gewachsen.

In einer ordentlichen Bilanz müssen die Aktiv- und Passiv-Seiten gleich hoch sein. Also muss auch die Aktiv-Seite gewachsen sein. Damit das alles funktioniert, wurden beim Aufbau des europäischen Zentralbanksystems die Target-Salden erfunden. In der Bilanz der Bundesbank steht auf der Aktiv-Seite eine Target-Forderung (versteckt in Punkt 9.4 der Aktiva). Die Höhe dieser Forderung dokumentiert, wie viel Zentralbankgeld seit Gründung des Euro aus dem Rest des Euroraums nach Deutschland netto überwiesen wurde.

 

Aber die Deutschen bezahlen doch angeblich?

Nun, zunächst einmal haften sie vor allem, und das auch nicht persönlich. Die in der öffentlichen Diskussion oft gedroschenen Phrasen sind oft in vieler Hinsicht problematisch.

Aber das ist für diese Diskussion ohnehin irrelevant. Was die Target-Salden heute tatsächlich dokumentieren hat mit Geldflüssen seit Gründung des Euroraums zu tun. In dieser Zeit hat Deutschland massive Import-Defizite angehäuft: Deutschland hat im Vergleich zu seinen Exporten viel zu wenig importiert. Folgerichtig ist mehr Geld zur Bezahlung der Importe nach Deutschland geflossen als umgekehrt.

In den Target-Salden hat sich das in den ersten Jahren nicht gezeigt, weil deutsche Banken Wertpapiere aus Südeuropa gekauft haben. So ist das Zentralbankgeld, das im Zuge der Überweisungen nach Deutschland geflossen ist, auch wieder zurück geflossen. Dabei floss das Geld natürlich nicht unbedingt immer direkt in die Länder zurück, aus dem es kam. Die Zahlungsströme sind weit verzweigt, aber zumindest indirekt und netto kam es zu Rückflüssen und damit weitestgehend zum Ausgleich der Target-Salden. Dieser Rückfluss ist durch die Finanzkrise gestoppt worden. Dieser Effekt wird noch weiter verstärkt, wenn die Reichen in den Krisen-Staaten ihr Geld auf Bankkonten in Deutschland überweisen.

 

Können die Target-Salden zurück gezahlt werden?

Ja, das können sie.

Die Begriffe sind hier allerdings etwas verwirrend. Wenn man eine Forderung an jemand anderen hat, dann wird diese Forderung normalerweise ausgeglichen, indem man von dem anderen Geld erhält.

Im Fall der deutschen Target-Forderungen haben deutsche Unternehmen das Geld aus dem Ausland bereits erhalten. Deshalb verhält es sich genau umgekehrt: Die deutschen Target-Forderungen werden nur weniger, wenn von Deutschland aus deutlich mehr Geld in den Rest des Euroraums überwiesen wird.

Das kann geschehen, indem Deutsche mehr in den Urlaub fahren oder mehr importieren. Das kann auch geschehen, indem Deutschland anderen Teilen des Euroraums Geschenke überweist.

 

Müssen die Target-Salden zurück gezahlt werden?

Nein. Der Euro als Währung kann beliebig lange mit beliebig großen Target-Salden funktionieren.

Übrigens: Wenn man aus dem Euroraum einen vernünftigen, einheitlichen Währungsraum schaffen würde, in dem es nur eine Zentralbank gibt anstatt vieler nationaler Zentralbanken, dann gäbe es die Target-Salden sowieso nicht mehr. Auch daran sehen wir, dass die Target-Salden reine “Papiertiger” sind, durch die die Wirtschaft nicht beeinflusst wird.

Allerdings weisen die Target-Salden auf Ungleichgewichte im Außenhandel hin, an denen die deutsche Politik ganz besonders schuldig ist.

Darüber müssen wir uns unterhalten. Wollen wir Deutschen wirklich diese Import-Defizite, die zu den hohen Target-Forderungen führen? Warum soll man arbeiten und arbeiten, wenn am Ende nur eine Zahl in einem Computersystem größer wird? Exporte sind schön und gut, aber wirklich sinnvoll werden sie erst dann, wenn man das dadurch erworbene Geld auch wieder für etwas Sinnvolles ausgibt, sprich: wenn man mindestens genauso viel importiert.

Dabei muss man gar nicht unbedingt aus den Ländern importieren, in die man exportiert. Solange Importe und Exporte ungefähr in gleicher Höhe sind, kommt es indirekt über den Markt automatisch zum Ausgleich auch für andere Länder.

31 Antworten auf Populäre Irrtümer: Die Rolle der Target-Salden

  • müller sagt:

    Nein. Der Euro als Währung kann beliebig lange mit beliebig großen Target-Salden funktionieren.

    Übrigens: Wenn man aus dem Euroraum einen vernünftigen, einheitlichen Währungsraum schaffen würde, in dem es nur eine Zentralbank gibt anstatt vieler nationaler Zentralbanken, dann gäbe es die Target-Salden sowieso nicht mehr. Auch daran sehen wir, dass die Target-Salden reine “Papiertiger” sind, durch die die Wirtschaft nicht beeinflusst wird.

    Alles Geld was aus dem nichts geschaffen wird und bei uns eingekauft wird sind nichts anderes als geschenkte Güter für die der Deutsche Arbeiter erstmal arbeiten muss. Es sei denn diese Schulden werden an Deutschland irgendwann in Sachwerte zurück bezahlt was aber bei den horrenden Verschuldungen niemals der Fall sein wird. Solange es den Euro gibt werden die Target 2 Salden kein großes Problem sein so beschreibt es auch H.W. Sinn. Ist der Euro irgendwann weg hat Deutschland für diese Länder mal einfach ausgedrückt umsonst gearbeitet. Dann hätte Deutschland auch sich selbst verschulden können und an seine eigen Bürger Geschenke machen können wäre vielleicht noch irgendwie verkraftbar gewesen. Für andere Länder zu zahlen ist jedoch Betrug.

    • Wischer sagt:

      Hallo,
      umsonst gearbeitet haben sie nicht. Sie, also die Güterverkäufer, haben nur bisher ihr Geld, dass sie bereits erhalten haben, nicht wieder ausgegeben. Einige mehr, andere weniger. Wir können uns darüber streiten, warum das so ist. Aber selbst wenn der EURO weg wäre, muss dadurch im Nachhinein für die bisherigen Güterverkäufer kein Nachteil entstehen, schon gar nicht, dass sie umsonst gearbeitet hätten. Diejenigen, die das Geld durch den Güterverkauf erhalten haben und diejenigen, die vielleicht Staatsanleihen halten, sind ja unterschiedliche Personen/Institutionen. Wenn alle Menschen das Geld wieder ausgegeben hätten, dann gäbe es auch diese hohen Schuldenberge nicht. Auch mit den Target-Salden könnte man bei einer EURO-Auflösung umgehen, dass kein Schaden für die Allgemeinheit entsteht. Vielleicht behandeln wir das in einem folgenden Artikel mal.
      Grüße Wischer

      • Sebastian F. sagt:

        Wischer schrieb:
        “Sie, also die Güterverkäufer, haben nur bisher ihr Geld, dass sie bereits erhalten haben, nicht wieder ausgegeben.”

        Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Die Güterverkäufer haben ihr Geld, die Deutsche Bundesbank aber nicht. Sie hat nur eine Forderung gegenüber der EZB erworben.
        Wenn ein Staat mit sagen wir mal 300 Mrd. € TARGET2-Defizit aus dem EZB-System ausscheidet oder den Euroraum verlässt, dann muss seine Notenbank dieses Defizit begleichen, etwa durch Devisen (Bargeld), Sachwerte (Gold) oder Zertifikate (Forderungen gegenüber anderen). Kann sie das nicht, weil z. B. die Forderungen nichts mehr Wert sind, dann ist dieses Geld für die EZB verloren und die Bundesbank hat einen Ausfall von 81 Mrd. € (300 x 27%).

        Letztlich müssen dadurch die Güterverkäufer einen Teil ihrer Einnahmen wieder zurückgeben, durch höhere (oder nicht gesenkte) Steuern, geringere Zuwendungen oder einen allgemeinen Wohlstandsverlust infolge geringerer staatlicher Investitionen und Leistungen. Den gleichen Schaden tragen zudem auch alle anderen Bürger.

        Das TARGET2-Saldo ist also durchaus ein Problem, wenn es infolge des Euro-Ausstiegs eines Landes zu einer Ausgleichspflicht kommt.

  • hastala sagt:

    In der Bilanz der Bundesbank steht auf der Aktiv-Seite eine Target-Forderung (versteckt in Punkt 9.4 der Aktiva). Die Höhe dieser Forderung dokumentiert, wie viel Zentralbankgeld seit Gründung des Euro aus dem Rest des Euroraums nach Deutschland netto überwiesen wurde.

    eine forderung ist einfach ausgedrückt eine unbezahlte Rechnung !!!! es ist eben noch kein Geld geflossen !!!
    sonst könnte man ja nix fordern !!
    hat der rechnungsempfänger bezahlt so verschwindet die forderung

    entweder bin ich doof oder der Autor

    kleiner tip : YouTube hans werner sinn die Logik der targetsalden ….einfach erklärt so das es jeder versteht !

    • Rudi sagt:

      Hallo hastala,

      genau über deine Sichtweise handelt der Artikel. Nochmal der Versuch zur Erklärung:
      Das Target2-System ist ein Clearing- und Dokumentationssystem.
      Es werden die Zahlungsströme aus den verschiedenen Euro-Ländern täglich
      saldiert (Clearing) und anschließend dokumentiert.

      Fakt ist: die sogenannte Target2-”Forderung” der Bundesbank dokumentiert
      nur, wieviel Geld aus den anderen Euro-Ländern (saldiert) nach
      Deutschland geflossen ist.

      Ich gebe Dir recht, das es als Target2-”Forderung” unglücklich
      formuliert ist, aber das ist den Buchhaltungsregeln geschuldet, die auf
      der Aktiva-Seite einer Bank eine Forderung darstellen.

      Die “Forderung” besteht hier aber nicht nach Geld (das haben wir schon),
      sondern nach Waren und Dienstleistungen. Das Geld fließt dann wieder
      zurück von Deutschland in die anderen Euroländer und die Target2-Salden
      wären wieder ausgeglichen.

      Vielleicht hilft dir zum Verständnis auch eine Präsentation der Bundesbank:
      http://wiki.piratenpartei.de/wiki/images/6/6a/Bundesbank-Target2_2013_04_17.pdf
      (Hinweis: Wir sind nicht mit allen Aussagen in der Präsentation einverstanden, aber die Funktion der Target2-Salden wird nochmal gut erklärt)

      Gruß
      Rudi

      • Eure “Fakten” sind genauso eindeutig wie Aussagen von einschlägig bekannten (…) Politikern (je nach Gusto einfach einsetzen).

        Um eine lange Geschichte kurz zu machen: die entscheidende Frage bei der ganzen Angelegenheit ist die, ob eine Forderung gegen eine Zentralbank Zentralbankgeld ist oder nicht. Beantwortet man die Frage mit JA ist der TARGET-Saldo quasi ein Kassenbestand (der Bundesbank) den diese bei einer (Netto-) Zahlung an z.B. Griechenland (wo ein Teil der Gegenposition ist) zum Liquiditätsausgleich verwenden kann. In diesem Fall hat auch die Bundesbank nichts mehr zu “fordern”, weil dieser Aktivposten “TARGET2″ bereits Zentralbankgeld darstellt.

        Beantwortet man diese Frage mit NEIN, könnte die z.B. griechische Zentralbank zum Ausgleich ihrer “TARGET-Verbindlichkeiten” einen Geldkoffer nach Frankfurt schicken, damit die Bundesbank den Kasseneingang ihrer “Forderungen” erhält. (Da auch die griechische Zentralbank eine Zentralbank ist, kann sie das in einem unbeschränktem Ausmaß tun.) Das kann man machen, der Hänger daran ist, daß eine Zentralbank keinen Kassenbestand führt! Heißt: sie muß den Kasseneingang gegen den von ihr emittierten Zentralbankgeldumlauf saldieren. Und da würde inzwischen bei der Bundesbank fast? ein negativer Saldo herauskommen. Ein negativer Passivsaldo ist jedoch so ähnlich wie ein negatives Eigenkapital, so daß die Bundesbank eine fiktive “Forderung gegen unbekannt” in die Bilanz einstellen müßte.

        Ob das ein Fortschritt ist?

        • Rudi sagt:

          Hi Renée,
          die Antwort auf deine Frage, wie die Zentralbanken damit umgehen können, werden wir in einem weiteren Artikel betrachten. Bisher ging es nur um die wirtschaftliche Betrachtung, deshalb ist deine Frage, was die Salden möglicherweise für bilanzielle Rechtsansprüche dokumentieren im Artikel nicht betrachtet. Also bis bald! :)

    • RealPolitics sagt:

      Bei Target2 geht es um die Übertragung von Zentralbankgeld. Dabei ist noch nichts darüber ausgesagt, ob derjenige, der die entsprechenden Forderungen bei der EZB hält, diese jemals eingelöst bekommt. Nicht etwa, weil die Target2-Salden bei einem Austritt eines Mitgliedslandes prozentual neu verteilt werden, sondern weil völlig untransparent ist, ob dahinter in der Zukunft jemals ein realer Gegenwert stehen wird.

      Wir wir wissen, sind ja in den letzten Jahren so einige Geschäftsbanken pleite gewesen im Euroraum. Die Rettung einiger dieser Banken mittels irgendwelcher Rettungsfonds kann nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass diese Banken sich – gegen Schrottsicherheiten und ähnliches – über den Umweg anderer Banken und bei der eigenen nationalen Notenbank Zentralbankgeld beschafft haben. Damit gingen sie dann einkaufen, solange, bis sie von ihren Notenbanken kein Zentralbankgeld mehr bekamen (da Notenbanken auch eine ausgeglichene Bilanz haben müssen, um auch anderen Banken Zentralbankgeld bereitstellen zu können).

      Es ist also letztlich völlig unerheblich, ob man diese Target2-Salden in Waren und Dienstleistungen, oder in Zentralbankgeld fakturiert. Jedenfalls ist der Euro gesetzliches Zahlungsmittel, Waren und Dienstleistungen sind es nicht. Ginge es nach der Troika, so sollten die Defizitländer gezwungen werden, produktiver zu werden, um eben mehr Waren und Dienstleistungen anbieten zu können. Die betreffenden Länder tun es aber nicht (aus bekannten Gründen). Daher haben jene Banken, die mit geliehenem Zentralbankgeld (gegen Schrottsicherheiten) einkaufen gingen, die Waren letztendlich umsonst bekommen – obschon “wir” ja bezahlt wurden. Es muss daher nicht verwundern, dass die Target2-Salden mit Beginn der Finanzkrise so stark gestiegen sind. Die Banken holten sich gegen Schrottsicherheiten Zentralbankgeld, um nicht unterzugehen.

      Und mit “wir” meine ich ausdrücklich die deutschen Banken. Mit “wir” meine ich aber auch – und jetzt kommt der Haken an der ganzen Sache – jene Arbeiter und Angestellten, die Jahrzehntelang Lohnverzicht übten und in überwiegendem Maße aufgrund von “Fachkräftemangel” Arbeitskraft für zwei Personen erbringen mussten. Kommt die nächste Bankpleitenserie, so ist deren Erspartes weg. Die am Einlagensicherungsfonds beteiligten Institute müssen den Fonds lediglich mit 0,8% des “gesetzlich gesicherten” Höchstbetrages füllen. Also bei 100.000 Euro mit gerade mal 800 Euro. Da zu erwarten ist, dass bei der nächsten Bankenpleiteserie auch deutsche Institute beteiligt sein werden, ist jetzt schon klar, wer unter anderem für die Begleichung der ominösen Target2-Salden dann aufkommen wird: der Einleger, welcher mit seiner Einlage den kriminellen Banken den nötigen “Kredit” für deren Treiben in der Vergangenheit gab. Die EZB wird es dann nicht mehr tun können, denn dann ist das Euro-System am Ende. Leider hat sich die EZB wohl dagegen entschieden, zur Deflationsbekämpfung Helikoptergeld einzusetzen. Lieber setzt sie offenbar auf einen stillen Reset des Euro-Systems. Nur jene Personen, die ihr Geld im Ausland geparkt haben (in Steuerparadiesen und ähnlichem), werden dann noch einigermaßen glimpflich davonkommen.

  • Leser67 sagt:

    Die verlinkte Präsentation stammt von Alexander Lipponer, der zwar Volkswirt der Bundesbank ist, aber für seine „Beruhigende Art“ bekannt ist und als Freund der EZB-Politik gilt. Sein Präsident Jens Weidmann ist anderer Auffassung. Wie oben im Artikel das Target2 als pure Dokumentation darzustellen, verfehlt auch das Thema.

    Auszug Wiki Target2:
    Die offiziellen Reaktionen auf die Forschungsergebnisse Sinns waren wechselhaft. Anfang 2011 hatte die Deutsche Bundesbank die Target-Salden als irrelevante statistische Posten bezeichnet. Im Februar 2012 warnte jedoch der Präsident der Deutschen Bundesbank Jens Weidmann in einem Brief den EZB-Präsidenten Mario Draghi vor den wachsenden Risiken innerhalb von Target2. Weidmann schlug eine Besicherung der Forderungen der Überschussländer vor, die zu dieser Zeit gegenüber den finanzschwachen Notenbanken des Euro-Systems über 800 Milliarden Euro betrugen, davon allein für die deutsche Bundesbank 547 Milliarden Euro.[22][23] (Stand März 2013: 589 Milliarden Euro)

    • Wischer sagt:

      Hallo,
      inwiefern die Herren anderer Meinungen sind, weiß ich nicht. Die Beiträge widersprechen sich jedoch nicht. Im Artikel ging es vornehmlich darum was Target2-Salden sind und was sie eben nicht sind. Was bei einem EURO-Ausstieg eines Landes passiert, wird hier im Artikel nicht behandelt und die Herren Weidmann und Lipponer sind sich einig, dass dabei “Bilanzrisiken” auftreten. Darauf muss man natürlich hinweisen. Die Konsequenzen daraus sind aber noch nicht ausreichend diskutiert, aber hier kommen wir schon zum nächsten Thema, nämlich was bei Verlusten einer Zentralbank passiert.

      Grüße
      Wischer

  • Dieter Richter Dipl.-Kfm. sagt:

    Hier liegt ein Kardinalfehler.vor: sie gehen fälschlicherweise davon aus, dass die nationalen Zentralbanken untereinander ausgleichen. Tatsächlich geht aber alles über die EZB. Somit sind es auch echte Forderungen der Bundesbank an die EZB. Wenn das Schuldnerland aus dem Währungsverbund ausscheidet, müsste es die Schulden begleichen, wird es aber kaum können. Also haben wir defacto unsere Waren gratis geliefert! Diri

    • Bunki sagt:

      “Also haben wir defacto unsere Waren gratis geliefert” -> wen meinen Sie hier mit “wir”?

      “wenn das Schuldnerland aus dem Währungsverbund ausscheidet, müsste es die Schulden …” -> was meinen Sie mit Schuldnerland, staatlicher Sektor oder privater Sektor?

  • Korrekt Herr Richter,

    wie die meisten wissen, hat die Schweizer Nationalbank ihr gesamtes Eigenkapital aufgebraucht, da das Kapital aus dem Euroraum in die Schweiz flüchtet.
    Die Schweizer Währungsreserven sind das äquivalente zur Bundesbank-Forderung an die EZB und die Südländer.
    http://snbchf.com/snb/target2-and-snb-currency-reserves/

    Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone und das Geld ist futsch.
    Entweder Schuldenschnitt oder Währungsverluste.
    All das wird wohl kommen.
    http://snbchf.com/monetary-fiscal-policy/faustian-bargain-snb-ecb-fed-money-printing/

  • Ich vergaß:
    es gibt eine dritte Alternative, dass ist weit höhere Lohnsteigerungen in Deutschland als im Süden, damit höhere Inflation. Flassbeck wäre dann happy, die Handelssalden werden ausgeglichen. Allerdings werden dann die Zinsen für die Südländer wieder steigen und die Agonie verlängern.

    Inflation ist das Szenario, das die Bundesbank fürchtet, aber die EZB zur Zerreißprobe führt und in den oben beschriebenen deutschen Austritt aus der Eurozone führen sollte.

  • Ralf Kauschke sagt:

    Ich habe das auch so verstanden, dass Saldenüberschüsse der Deutschen Bundesbank im Target-2-System Forderungen an die EZB sind, die wiederum in gleicher Höhe Forderungen bei Zentralbanken mit negativen Salden hat. Falls ein Schuldner wg. Staatsbankrotts und anschließendem Austritt aus dem Euro ausfällt, werden die Mitglieder der EZB, also die anderen Zentralbanken, diesen “Verlust” anteilig übernehmen. Das hieße, wenn Griechenland ein Defizit von 100 Mrd Euro im Bereich der Target-2-Salden hat und diese aufgrund eines Staatsbankrotts nicht mehr bedienen könnte, die Deutsche Bundesbank einen Verlust i.H.v. 27 Mrd Euro (27% Anteil am Grundkapital der EZB), zuzüglich 27% des griechischen Anteils am Grundkapital der EZB, realisieren müsste. Diese unglaublich hohen Risiken werden von entsprechend Interessierten gerne klein geredet.

  • Stephan Fischer sagt:

    Die Bundesbank soll Gold importieren aus den anderen Euro-Staaten. Dies würde zum Ausgleich der Target-Salden führen.

  • Mutus sagt:

    Einen Währungsschnitt mit Weiterbestehen der alten Währung, hat sowas schon gegeben?
    Was wäre dann mit Auslandskonten in Euro von z.b Griechen.
    Diese Summe ist ja auch im Target 2 enthalten und würde praktisch beim Rückfluß von den Euroländer auch noch zusätzlich höher bewertet und finanziert.

    Gibt es dazu eine Regelung?

  • Ulf Stange sagt:

    Ist das Beispiel Inland Bank A an Bank B tatsächlich kompatibel zum Beispiel Zahlungsverkehr innerhalb der EU ? Das EU Beispiel auf das Inland übertragen würde bedeuten, dass die A-Bank unabhängig von ihrem Zentralbank Guthaben die Bundesbank anweist der B-Bank einen Betrag x gut zuschreiben und diesen Betrag x ihr selbst zu belasten. Würden jetzt die Verbindlichkeiten der A Bank beständig anwachsen (bis 795 Mrd EURO ) hätte die Bundesbank ein Problem, wenn die A Bank in Insolvenz geht und die Verbindlichkeiten nicht gedeckt sind. Genau dies ist das Target2 Problem. Der deutsche Exporteur hat zwar sein Geld von seiner Geschäftsbank und diese von der Bundesbank erhalten, aber die Bundesbank hat kein Geld erhalten, sondern eine Forderung.
    Das es auch anders geht zeigt der us-amerikanische Währungsraum, der ein Saldo-Ausgleichssystem beinhaltet und die Target2 Regelung für Polen und die Schweiz. Beide Länder nehmen an Target2 auf Guthabenbasis teil.

    • Wischer sagt:

      Hallo, mir ist keine Bilanzpositionen zwischen Zentralbanken und Geschäftsbanken in Form von Forderungen und Verbindlichkeiten bekannt. Ein negatives Zentralbankguthaben ist bei einer gesunden Geschäftsbank auch nicht möglich. Die Interaktionen zwischen Zentralbank und Geschäftsbanken verlaufen nicht so wie von dir beschrieben. Interbankenkredite werden auf der Passivseite der Geschäftsbankenbilanzen dokumentiert. Die Zentralbank hat mit diesen Forderungen/Verbindlichkeiten nichts zu tun und auch prinzipiell kein Problem mit faulen Interbankenkrediten. Daher passt das mit dem Beispiel auch.

    • Nicolai sagt:

      Also, da gibt es verschiedene Antwortansätze, die letztlich auf das Gleiche hinaus laufen.

      Ich denke, Wischer hat das schon ganz gut auf den Punkt gebracht: bei Geschäftsbanken ist das Zentralbankguthaben eine Voraussetzung dafür, dass sie Überweisungen durchführen können. Das ist der eine Antwortansatz.

      Der andere Antwortansatz ist: Nehmen wir mal trotzdem an, dass die Bank A gegenüber der Bundesbank beliebig Verbindlichkeiten anhäufen kann und dann in Insolvenz geht. Wo ist dann eigentlich das Problem für die Bundesbank?

      Immer dran denken: das Geld kommt von der Bundesbank! Die Bundesbank kann nicht pleite gehen, per Definition nicht, genauso wenig wie die Bank im Monopoly pleite gehen kann.

      Es gibt also kein Problem – zumindest nicht so, wie man sich das landläufig vorstellt.

      Wenn man dann etwas tiefer einsteigt kann man sich natürlich überlegen, ob es nicht doch negative Folgen haben kann. In der Tat gibt es gute Gründe dafür, dass man den Banken nicht erlaubt, beliebigen Kredit bei der Bundesbank aufzunehmen. Denn das passiert eigentlich nur, wenn die Banken zu aggressiv Kredite an die Privatwirtschaft geben, und diese Kreditvergabe kann inflationär wirken (muss aber nicht).

      Mit anderen Worten ist dieser ganze Vorgang schon kritisch zu betrachten, aber aus einem ganz anderen Grund als die meisten Menschen leider immer noch denken.

      Zum Beispiel: Wenn man jetzt die Situation zurück auf den Euro, Target, und Griechenland überträgt: Inflation ist ja nun in der Eurozone wirklich nicht das aktuelle Problem, und in Griechenland erst recht nicht. Im Gegenteil sollten wir uns eher vor Deflation sorgen.

      Und das Problem sind eben auch nicht die Targetsalden, sondern das zugrunde liegende Handelsungleichgewicht: Deutschland importiert viel zu wenig. Als Land wird bei uns gut gearbeitet, aber wir leisten uns nichts. Das ist gesamtwirtschaftlich und auch politisch dumm und gefährlich. Wobei natürlich die interessante Frage ist, wer hier “wir” und “uns” ist, und genau da muss Politik ansetzen.

  • Alois sagt:

    Hochinteressant alles!
    Hat jemand eine Antwort, wie die deutschen Kapitalexporte in diese Betrachtungen einzuordnen sind?
    Das doch enorme Abflüsse in andere Euro-Länder.

    Grüße

    • Nicolai sagt:

      Richtig. Deutsche “Kapitalexporte” (eigentlich ein blöder Begriff, weil Deutschland dabei nichts exportiert) bedeuten, dass Deutsche im Ausland “Kapitalgüter” im weitesten Sinne kaufen. Als Teil von diesem Kauf wird Geld aus Deutschland in ein anderes Land überwiesen. Auf die Target-Salden wirkt sich das so aus, dass die Target-Forderungen von Deutschland schrumpfen.

      Deswegen waren die Target-Salden vor der Finanzkrise ja auch einigermaßen ausbalanciert: Deutschland hat wie verrückt netto exportiert, und dementsprechend ist viel Geld nach Deutschland geflossen. Aber das Geld ist eben auch wieder aus Deutschland herausgeflossen, weil z.B. deutsche Banken Anleihen aus anderen Länderen gekauft haben.

      Als dann mit der Finanzkrise auf einmal die Sicherheit dieser Anleihen in Frage gestellt wurde, hat der Kauf dieser Anleihen natürlich aufgehört. Weil aber der deutsche Nettoexport trotzdem weiter lief, kam es zu dem Ungleichgewicht.

  • J.K. sagt:

    Defacto sind Target2 Salden Forderungen bzw. Verbindlichkeiten der verschiedenen Zentralbanken der Euroländer untereinander. Warum nun hat Deutschland so extrem hohe Forderungen gegenüber der Zentralbank von Frankreich, Spanien, Italien usw.? Wenn z.B. ein Geschäftskunde (Debitor) aus Frankreich Ware in Deutschland kauft, bezahlt er diese mit einer SEPA Überweisung an seine, hierbei die französische Zentralbank. Diese Wiederum stellt diesen Betrag in das Interbankensystem (Target) als Verbindlichkeit gegenüber der Bundesbank ein. Die Bundesbank verbucht dies wiederum als Forderung. Der Saldo erhöht sich, da kein Geld geflossen ist.
    Die Bundesbank bezahlt dem deutschen Lieferanten also seine Rechnung. Alle sind zufrieden! Moment…, dann bedeutet es ja, dass die Bundesbank die Ware finanziert?! Richtig, hier kommt es nun zum Kapitalexport, welcher immer so hoch ist wie die Handelsbilanz. Das Geld fließt aus Deutschland ab, damit im restlichen Euroraum Investitionen getätigt werden können!
    Aber warum kann diese nicht einfach bezahlen, ist doch die französische Zentralbank? Ganz einfach, weil sie kein Geld hat (Staatsanleihen gekauft,Arbeitslosengeld und Sozialleistungen bezahlt, Beamte bezahlt, die Rente überwiesen etc.) und sich durch die Abschaffung des Franc keines mehr drucken kann! Mmh…, blöde Sache! Eigentlich müsste Sie jetzt abwerten, damit die Importe verteuern und die Exporte verbilligen! Kann Sie aber nicht, weil die EZB ja nun über den Euro bestimmt! Mist! Da jedoch die Bundesbank Ihre Forderungen nicht fällig stellen kann, wird die französische Zentralbank keine Anstalten unternehmen diese auszugleichen, zumal es keine Sanktionen gibt! Die Lösung für das Dilemma?
    1. Löhne in Deutschland hoch, in Frankreich runter
    oder
    2. Deutschland verzichtet auf die Forderungen
    oder
    3. Der Euro wird abgeschafft
    oder
    4. Deutschland schafft sich ab

    • Nicolai sagt:

      Wenn z.B. ein Geschäftskunde (Debitor) aus Frankreich Ware in Deutschland kauft, bezahlt er diese mit einer SEPA Überweisung an seine, hierbei die französische Zentralbank.

      Das ist falsch. Die SEPA-Überweisung geht nicht an die französische Zentralbank, sondern an den Verkäufer in Deutschland. Jeder, der eine SEPA-Überweisung macht, kann das an der IBAN des Empfängers sehen.

      Die Bundesbank bezahlt dem deutschen Lieferanten also seine Rechnung.

      Auch das ist eine Verdrehung der Tatsachen. Der französische Käufer hat die Rechnung bezahlt.

      Die Bundesbank ist an dem ganzen Verfahren überhaupt nur insoweit beteiligt, als die Bank des deutschen Lieferanten ein Zentralbankkonto führt – und aus historischen Gründen wird dieses Zentralbankkonto in der Regel noch bei der Bundesbank geführt anstatt (was eigentlich sinnvoller wäre) direkt bei der EZB.

      Aber warum kann diese nicht einfach bezahlen, ist doch die französische Zentralbank? Ganz einfach, weil sie kein Geld hat (Staatsanleihen gekauft,Arbeitslosengeld und Sozialleistungen bezahlt, Beamte bezahlt, die Rente überwiesen etc.)

      Da wirfst du gleich mehrere Dinge durcheinander.

      Erstens ist es ein Kategoriefehler, überhaupt danach zu fragen, ob die französische Zentralbank die Target-Salden bezahlt. Eine solche Bezahlung ist im System schlicht nicht vorgesehen und würde auch keinerlei Funktion erfüllen. Um das klarzustellen: Auch im umgekehrten Fall, wenn ein deutsches Unternehmen in Frankreich einkauft, bezahlt auch die Bundesbank nichts an Frankreich!

      Zweitens bezahlt die französische Zentralbank weder Arbeitslosengeld, noch Sozialleistungen, Beamte, oder Renten. Das macht alles der französische Staatshaushalt. Auch in Deutschland werden die Renten nicht von der Bundesbank bezahlt, das wäre Irrsinn…

      • Nicolai Hähnle sagt:

        aus historischen Gründen wird dieses Zentralbankkonto in der Regel noch bei der Bundesbank geführt anstatt (was eigentlich sinnvoller wäre) direkt bei der EZB

        Übrigens, wenn man hier ein wenig weiterbohrt sieht man, wie absurd der Fokus auf den Target-Salden ist. Denn natürlich sind es deutsche Banken, die ihr Zentralbankkonto bei der Bundesbank haben. Italienische Banken haben es bei der italienischen Zentralbank, und so weiter.

        Der Clou ist: niemand zwingt einen Deutschen, sein Konto bei einer deutschen Bank zu haben! Genauso zwingt niemand einen Franzosen, sein Konto bei einer französischen Bank zu haben.

        Man überlege sich einmal, was in J.K.s Szenario – französischer Kunde kauft bei deutschem Unternehmen ein – passiert, wenn der Kunde sein Konto bei einer spanischen Bank hat, und das deutsche Unternehmen sein Konto bei einer niederländischen Bank.

        Auf einmal ändert sich nämlich an den Target-Salden von Frankreich und Deutschland durch die Überweisung gar nichts mehr. Stattdessen erhöhen sich die Target-Forderungen der niederländischen Zentralbank, und die Verbindlichkeiten der spanischen Zentralbank steigen.

        Das passiert natürlich in der Praxis meist nicht, weil immer noch die meisten Menschen und Unternehmen ihr Konto bei einer Bank haben, die ihren Stammsitz im gleichen Land hat. Aber allein die Möglichkeit der Alternative zeigt doch, wie absurd es ist, die Target-Salden überhaupt als relevante Größe zu betrachten!

  • Alois sagt:

    Ok, ich verstehe das jetzt so: Einem Leistungsbilanzüberschuss steht immer ein dem entsprechend hoher Kapitalexport gegenüber. Solange also ausreichend Kapital in ein Land fliest, kann es sein Leistungsbilanzdefizit finanzieren. Gleichzeitig steigt denn auch das Auslandsvermögen des Kapitalgebers oder …. die Wirtschaft des Defizit-Landes verkauft sich an die Wirtschaft des Kapitalgeber-Landes. Ist doch an sich kein Problem in einer Wirtschaft und passiert innerhalb Deutschlands fortwährend.
    Damit sind auch diese Target2-Salden wohl nur ein Indikator über die Stärke bzw. Schwäche einer Region (Deutschland, Griechenland ….).
    Hierzu noch meine Frage:
    Was passiert, wenn ein Land das Euro-System verläßt? Irgendwo hatte ich gelesen, dass die jeweilige Zentralbank dann ihren Saldo bei der EZB ausgleichen muss. Bedeuten dass, wenn Italien z.B. das System verlassen würde, die italienische Zentralbank 370 Milliarden Euro an die EZB überweisen müsste ?

    • Nicolai Hähnle sagt:

      Ja, das Fazit zu den “Kapitalexporten” kann man denke ich so stehen lassen.

      Wenn ein Land das Euro-System verlässt? Puh…

      Also, erst einmal würde ich zu irgendwelchen Verpflichtungen überhaupt nichts glauben, was ich irgendwo lese, solange es nicht mit direkten Verweisen auf europäische Verträge belegt ist. Wir sehen ja gerade live beim Brexit wie unklar allein der Austritt aus der EU ist – ich würde davon ausgehen, dass bei einem Austritt aus der Eurozone ähnlich wenig im Voraus geklärt ist.

      Daher würde ich sagen: Nein, wenn Italien das System verlassen würde, muss zunächst einmal niemand etwas zahlen. Natürlich gäbe es dann Leute, die das fordern, aber inhaltlich wäre diese Forderung meines Erachtens unbegründet. Denn effektiv würde man dann plötzlich aus dem Nichts eine riesige Zahlungspflicht zaubern, die vorher nicht existiert hat. Das widerspricht so ziemlich den Grundregeln unseres Wirtschaftssystems.

  • Fullerenio sagt:

    Hallo,

    ich kommentiere hier zum ersten Mal. Die Diskussion ist sehr interessant. Alles, was ich hier nun noch sage ist eigentlich oben schon gesagt worden, nur die Begriffsverwischung zwischen “Kapital” und “Geld” möchte ich etwas aufhellen. Da die Menge eines bestimmten Kapitals in Geld gemessen wird, ist es ein oft zu beobachtendes Phänomen, das “Geld” gleichgesetzt wird mit “Kapital”. Nun wird “Kapital” in der Wirtschaftswissenschaft aber immer nur als Produktionsfaktor definiert, nicht aber als das, was es eigentlich ist: eine bestimmte Menge an Waren/Dienstleistungen. Geld ist nur das Tauschmittel dazu, mit dem diese Menge quantifiziert wird. Unser heutiges Fiat- Geld verschleiert diese Tatsache vollständig, und so kommt es, das viele Menschen glauben, die in den Büchern der Banken stehenden Bilanzen seien doch nur Zahlenwerk, ohne Rückwirkung auf den Lebensalltag des Einzelnen. Tatsache ist aber: wenn mir jemand Geld schickt, für das er dann keine Waren/Dienstleistungen anbietet, dann betrügt er mich, denn dieses Geld hat keinen Wert. Die Target- Salden zeigen genau diesen Missstand auf. Die internationalen Zahlungsströme verschleiern dies vielleicht bis zur Unkenntlichkeit, aber in der Summe trifft es zu. Die einzelne Firma, der Einzelne erhält sein Geld, aber die Volkswirtschaft insgesamt gerät ins Hintertreffen, erleidet Wohlstandsverlust. Sollten eines Tages die Länder, die für die Target- Salden verantwortlich sind, aus der Währungsunion austreten, dann bleibt der Gegenwert dieser Targetsalden in den Büchern stehen, und wird, wenn überhaupt, in einer anderen Währung zu einem anderen Wechselkurs ausgeglichen werden müssen. Der Kursverlust nach dem Austritt, der sich zeigt, wenn eine bestimmte Menge Waren und Dienstleistungen einerseits gehandelt wird (gemessen in €), sowie der Preis der gleichen Menge von Waren und Dienstleistungen vor dem Währungsaustritt andererseits, (ebenfalls gemessen in €), ist dann der Verlust der Volkswirtschaft, bei deren Nationalbank die Forderungen aufgelaufen sind.

    • Nicolai Hähnle sagt:

      Tatsache ist aber: wenn mir jemand Geld schickt, für das er dann keine Waren/Dienstleistungen anbietet, dann betrügt er mich, denn dieses Geld hat keinen Wert.

      Ganz so einfach ist es auch wieder nicht. Du kannst mit dem Geld einkaufen gehen wie mit jedem anderen auch, von daher kannst du nicht einfach so behaupten, das Geld habe keinen Wert, und entsprechend auch nicht von Betrug reden.

      Jetzt kann man natürlich im innereuropäischen Handel davon reden, dass einige Länder Gelder zahlen aber dafür netto keine Waren anbieten. Aber auch da ist es gefährlich, von Betrug zu reden, denn Betrug bedeutet auch immer böse Absicht. In Wirklichkeit ist es doch so, dass diese Länder froh wären, wenn sie netto mehr exportieren könnten.

      Anders herum gesehen, wenn man wirklich von Betrug reden will: besonders in Deutschland ist es politisch gewollt, in deinem Sinne betrogen zu werden, denn es ist erklärtes Ziel der Politik, den Exportüberschuss aufrecht zu halten.

      Ich sage das nur, weil die Leute bei dem Thema sehr schnell in einen Modus verfallen, wo sie anderen Ländern die Schuld in die Schuhe schieben. Dabei haben wir in Deutschland eigentlich ziemlich klar das Heft in der Hand. Wir müssten nur mehr Geld ausgeben, aber das erfordert eben ein politisches Umdenken.

  • Manfred Thomas sagt:

    Der Target Saldo der Bundesbank macht etwa 50% ihrer Bilanzsumme aus. Ist es evtl. so, dass sich bei einem theoretischen Ausscheiden aller Länder mit einem negativen Target Saldo einfach die Bilanzsumme der Bundesbank halbiert und kein Geld fließt, weil ja schon alles Geld geflossen ist? Oder ist der Saldo nicht einfach nur Ausdrucksmittel einer theoretischen Kaufkraft? D.h. wenn wir denn wollten, könnten wir im Ausland einkaufen, was wir anscheinend nicht ausreichend machen, um den Saldo auszugleichen? Wenn es also dazu käme, dass der obige Fall eintritt, würden wir damit unsere Kaufkraft verlieren?

    • Nicolai Hähnle sagt:

      Die Zahlen in der Bilanz sind einfach nur Zahlen in der Bilanz. Die könnte man dann schlicht löschen.

      Auch mit der zukünftigen Entwicklung der Kaufkraft haben diese Bilanzen nichts zu tun, denn die Bilanzen spiegeln ja nur die Vergangenheit wieder, und was in der Vergangenheit passiert ist ist im Markt schon eingepreist.

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