Dieser Beitrag ist Teil unsere kleinen Reihe “Populäre Irrtümer”.

Aktuell ist es groß in Mode, ausgeglichene öffentliche Haushalte zu fordern. Dies beruht auf der Ansicht, dass ein Staat überschuldet sein könnte und dieses dadurch vermeiden müsse, indem er seine Ausgaben weitestgehend mit Steuereinnahmen deckt. Dahinter steckt der populäre Irrtum, dass es sich bei dem Staat um eine Art Unternehmen handelt.

In der Tat ist dies aber nicht so.

Weder kann ein Staat wirklich pleite gehen – sprich illiquide werden – noch ist es primäre Aufgabe der Steuern, den Staat zu finanzieren.

Faktisch kann sich ein Staat immer finanzieren, wenn er sich nicht freiwillig darauf beschränkt, seine “Schulden” bei Geschäftsbanken aufzunehmen. Dass es in der Eurozone so ist, ist aber weder ein Naturgesetz, noch ein göttliches Gebot oder gar ein Sachzwang. Es ist eine rein willkürliche Entscheidung der Politik.

Andere Wirtschaftsräume, wie bspw. die USA oder Japan, handhaben dies anders und sind deshalb weit weniger abhängig vom Votum “der Märkte”. Gerade die aktuelle parlamentarische Debatte in den USA zeigt deutlich, dass das einzige limitierende Kriterium zur Schuldenaufnahme die Politik selbst ist.

Gibt sie sich einen Rahmen, den sie nicht überschreiten will, so kann sie dies tun – einen zwingenden oder sachlogischen Grund hierzu gibt es nicht. Japan hingegen nimmt jedes Jahr aufs neue Schulden u.a. bei der eigenen Zentralbank auf und ist weit entfernt von einer Schuldenkrise – obwohl die Staatsverschuldung inzwischen 250% des BIP ausmacht.

Wenn man versteht, dass sowohl der Staat als auch die Zentralbank und die öffentlich-rechtlichen Banken zum staatlichen Sektor gehören, dann kann man sagen, dass sich der Staat bei sich selbst verschuldet. Wie sollte man sich so “überschulden” können?

Die Zinsen, die der Staat an die Zentralbank oder die öffentlich-rechtlichen Banken abführt, werden als Teil des Zinsüberschusses wieder an den Staat zurückgeleitet. Faktisch zahlt der Staat also netto keine Zinsen. Wenn man aber netto keine Zinsen zahlt, gibt es auch keinen Grund netto zu tilgen. Damit entfällt der Schuldendienst komplett, und streng genommen stellt sich die Frage, warum der Staat sich dann nicht ausschließlich so finanziert, sondern Steuern erhebt und Staatsanleihen ans Publikum ausgibt.

In der Tat sind die Steuern zur Finanzierung der öffentlichen Haushalte vollkommen unnötig. Ihr Sinn und Zweck ist es, lenkend in den Wirtschaftsprozess einzugreifen. Indem der Staat bestimmte wirtschaftliche Verhältnisse durch Steuererhebung verteuert und andere durch Förderung günstiger macht, kann er politisch wirken und gesellschaftspolitische Ziele befördern.

Will der Staat z.B. auf eine bestimmte Verteilung der Einkommen und/oder Vermögen hinwirken, so kann er dies durch Besteuerung erreichen. Hierbei gibt es aber keinen Grund anzunehmen, dass die Höhe der Steuern, die zur Erreichung dieser Ziele insgesamt abgeführt werden, notwendigerweise mit den hierzu erforderlichen Ausgaben deckungsgleich sein müssten oder sollten – im Gegenteil, das ist höchst unwahrscheinlich.

Da der Staat auf diese Einnahmen zur Finanzierung seiner Ausgaben überhaupt nicht angewiesen ist, gibt es rein sachlich auch überhaupt keinen Grund, warum sich der Staat in seinem Wirken von dieser Randbedingung in der Erreichung seiner Ziele behindern lassen sollte.

Neben der Erreichung gesellschaftspolitischer Ziele, dienen Steuern auch dazu, die Geldmenge im privaten Sektor gezielt zu reduzieren. Bildet sich bspw. in einem Sektor eine Blase, kann der Staat hier gezielt eingreifen und Geld abschöpfen; im Gegensatz zur Geldpolitik hat die Fiskalpolitik den Vorteil, dass sie sehr gezielt und selektiv eingesetzt werden kann.

Warum gibt der Staat nun aber Staatsanleihen aus, wenn er doch nicht darauf angewiesen ist?

Staatsanleihen sind entgegen den Unkenrufen eine absolut sichere Anlageform, wenn es sich der Staat gestattet, sich bei der Zentralbank zu finanzieren. Die Zentralbank kann per Definition nicht illiquide werden, und wer einen Financier hat, der nicht illiquide werden kann, kann es ebenfalls nicht. Der Staat kann seine Anleihen in seiner eigenen Währung immer bedienen. Wenn der Staat also dem Wirtschaftskreislauf Geld entziehen will, dann kann er zum einen Steuern erheben oder den Bürgern das Angebot machen, ihr Geld festzulegen, indem sie damit Staatsanleihen erwerben. Staatsanleihen sind also ein Anlageangebot des Staates und weniger ein notwendiges Finanzierungsmittel.

Entgegen der Vorstellung der klassischen Ökonomie ist der Staat kein “Fremdkörper”, der in “die Wirtschaft” eingreift, sondern er ist inhärenter Teil davon.

Im Gegensatz zu allen anderen Akteuren hat er dabei aber die Aufgabe, die Wirtschaftstätigkeit so zu gestalten, dass sie – zumindest in einer Demokratie – den gesellschaftlichen Zielen zuarbeitet. Die Annahme, dass das “en passant” von selbst passiert, wenn nur die “unsichtbare Hand” frei walten darf, hat sich wiederholt als Mythos herausgestellt. Gerade die letzte Finanzkrise hat gezeigt, dass es durchaus eines Akteurs bedarf, der bei Fehlentwicklungen aktiv eingreift. Das ist auch nicht unmoralisch oder anstößig, sondern gradezu Ausdruck einer demokratischen Willensbildung, wenn “die Märkte” in eine Richtung gelenkt werden, die geeignet ist, die sozialen und realen Ziele der Bevölkerung zu erreichen.

Der Staat darf Schulden machen, um gesellschaftliche Ziele zu realisieren, und er muss sogar Schulden machen, wenn die anderen volkswirtschaftlichen Sektoren – Unternehmen und Haushalte – Überschüsse erwirtschaften wollen. Wenn jemand mehr einnimmt als er ausgibt, muss konsequenterweise ein anderer entsprechend mehr ausgegeben als eingenommen haben. Die Überschüsse des einen sind also notwendigerweise die Defizite des anderen.

Wenn nun der private Sektor – bestehend aus Haushalten und Unternehmen – als Ganzes Geldvermögen (Forderungen) aufbauen will, indem die Ersparnisse oder Gewinne angelegt werden, muss auf der anderen Seite irgendjemand die entsprechende Verbindlichkeit in selber Höhe haben. Dies kann volkswirtschaftlich nur der Staat oder das Ausland sein. Da allerdings auch im Ausland die Haushalte sparen und die Unternehmen Gewinne machen wollen, verbleiben als volkswirtschaftliche Schuldner letztlich nur die Staaten.

Staatsschulden sind also nicht per se schlecht, sondern einfach die Kehrseite des Wunsches des privaten Sektors Geldvermögen aufzubauen.

Grundsätzlich könnte der Aufbau von Geldvermögen und Verschuldung auch innerhalb des privaten Sektors – ohne Staatsverschuldung – stattfinden; allerdings gilt auch hier, dass die Überschüsse des einen die Defizite der anderen sind. Sollen Unternehmen unter diesen Umständen also Gewinne machen (Überschüsse erwirtschaften), müssten sich die Haushalte in gleicher Höhe verschulden oder Ersparnisse abbauen (Defizite hinnehmen); umgekehrt wäre die Schuldenaufnahme durch die Unternehmen zwingende Voraussetzung für die Möglichkeit der Haushalte Geldvermögen aufzubauen – es ist wenig wahrscheinlich, dass dies immer gegeben ist.

Vor diesem Hintergrund muss die “Schuldenbremse” äußerst kritisch beurteilt werden, denn letztlich bedeutet sie nichts anderes, als dass grundlos bürokratische Regeln demokratischer Willensbildung vorangestellt werden, und dass die Vermögensbildung des Volkes behindert wird. Das ist unmoralisch und anstößig!

Die Fähigkeit des Staates prinzipiell unbegrenzt Geld in den Wirtschaftskreislauf einzubringen, ist natürlich immer mit der Möglichkeit des Missbrauchs verbunden, und es obliegt in einer Demokratie der Kontrolle des Souveräns darauf zu achten, dass dieses wünschenswerte und nützliche Privileg im Sinne und zum Nutzen des Volkes eingesetzt wird. Heute wird diese Kontrollfunktion “den Märkten” anvertraut – wohl in dem Glauben, dass diese besser als das Volk selbst in der Lage wären, dessen Willen umzusetzen – kurios!

Wir brauchen keine marktkonforme Demokratie, sondern demokratiekonforme Märkte.

17 Antworten auf Populäre Irrtümer: Die Schuldenbremse

  • Sanne sagt:

    Wie geistig verwirrt muss man eigentlich sein, um einen solchen Unsinn zu schreiben? Und zudem wie gnadenlos unverantwortlich. Sie sind eine Beleidigung für jeden normal denkenden Menschen!

    • Rudi sagt:

      Hallo Sanne,

      wir freuen uns über jede konstruktive Kritik. Damit wir sie auch beantworten können wäre es hilfreich, wenn du die Kritikpunkte genau benennst und begründest.
      Wir antworten dann gerne.

      Gruß
      Rudi

  • Nicolai Hähnle sagt:

    Ein sehr schöner Artikel. Es ist schon faszinierend, an welchen Orten man landet, wenn man sich aus den ganzen Mythen rund ums Geld löst und die Dinge neu durchdenkt.

    Das stößt sicher auch auf viel Ablehnung, aber sicher primär auf Ablehnung ohne Verständnis. Wem der Artikel spontan sauer aufstößt, dem empfehle ich, den letzten richtigen Absatz (und natürlich auch den letzten Satz) noch einmal genau zu lesen ;)

    Denn dass der Staat natürlich nicht unendlich viel Geld einfach so in Umlauf bringen sollte kommt in dem Artikel vielleicht etwas kurz. Aber wenn man sich einmal die dumm wirkende Frage stellt: Warum eigentlich nicht? Dann stellt man fest, dass diese Frage in Wirklichkeit gar nicht so dumm ist… man kann sie nur richtig beantworten, wenn man sich vom Mainstream löst.

    • hrw sagt:

      na ja, er beschreibt, daß der Staat sich zinslos und tilgungsfrei bei der ZB finanzieren könnte und stellt anschließend die rhetorische Frage, warum sich der Staat denn nicht ausschließlich so finanziert. Die Antwort lautet natürlich, weil übermäßige Inflation vermieden werden soll. Die flüssige Geldmenge beträgt etwas über 1.000 Mrd. €. Nun auf die Idee zu kommen, der Staat könnte seine gesamten jährlichen Ausgaben durch die ZB und damit neues Geld finanzieren, ist ehrlich gesagt eine Beleidigung gegenüber jeden vernünftigen Menschen. Aber es gibt wohl genügend Schwachköpfe die solch einen Unsinn gutheißen.

      • ayatna sagt:

        Bevor du hier irgendjemanden grundlos beleidigst solltest du erstmal nachdenken, ob du dich nicht selbst mit deinem Kommentar zum Schwachkopf deklarierst.

        Niemand hier behauptet, man könnte einfach alle Steuern abschaffen. Aber warum diese Farce, dass sich ein Staat, der selbst Geld herstellt, auf einmal in diesem Geld verschuldet? Das ist einfach nur Quatsch, den du nicht einfach mit einer vagen Sorge vor Inflation begründen kannst.

  • Koelner sagt:

    Der Artikel spricht nicht von Alternativen sondern vertraut auf die üblichen uralt-Rezepte der fiskalistischen Denkschule von John Maynard Keynes. Schön ausgeblendet wird die Ursache des bestehenden Schuldgeldsystems nämlich die Fessel des Zinses-Zins-Effekt mit Exponentialfunktion, was jedoch den realwirtschaftlichen Gegebenheiten widerspricht, ebenso wie die Annahme der Fisherschen-Verkehrsformel, dass der Staat sich dann eben verschulden “muss” wenn die anderen Wirtschaftssubjekte dazu nicht in der Lage sind. Grundsätzlich braucht der Staat kein Geld über Banken zu schöpfen, siehe beispielsweise Federal Notes von JFK, was ihn jedoch den Kopf gekostet hat, weil das dem Geldmonopol der Maffia zu wider läuft. Im Grunde verpfändet hier der Staat als Äquivalente seine Assets und Steuereinnahmen. Wichtig wäre es jedoch im neuen System einen Mechanismus einzubauen, dass sich korrupte Politikdarsteller sich nicht durch Klientelpolitik Stimmen für ihre Wiederwahl vulgo Anrechte auf ihre Pfründe kaufen , somit keine unsinnigen Investitionen tätigen können, schon zum Schutz vor Inflation, was auch unter dem Stichwort Nachhaltigkeit rubriziert werden kann. Wesentliche Staatsinvestitionen werden im neuen System demnach durch Referenden abgesegnet. Die entscheidende Frage ist doch stets, was bekomme ich als Bürger für staatliche Investitionen der Daseinsvorsorge bzw. muss ich dafür leisten. Wird der Bürger als Souverän mit einbezogen, so gibt es auch weniger Politikverdrossenheit. Bei dem rein fiskalistischen Ansatz wie er hier ausgebreitet wird – also “old-school” haben die Privathaushalte einfach nur die Entscheidungen der Politikkaste hinzunehmen und schön für deren Verschuldungsorgien übelst Zinsen zu zahlen geschwaige denn werden obendrein auch noch verhonigpeopled. So wie es Hans Eichel einst dreist in Kamera hinein sagte: Wir tilgen nie! Klar das PERSONAL zahlt ja auch brav – schau doch einfach auf Deinen Ausweis!

  • Martin Wortmann sagt:

    der Artikel ist natürlich auch ein populärer- ne eher ein uralter recht verstaubter Irrtum, der besagt, dass es immer eine bestimmte Menge Geld gibt. Wenn es die einen haben (ganz beliebt die bösen Reichen), dann können es die anderen eben nicht haben. Na, halt die Armen.
    Und wenn man die Reichen bekämpft und ihnen das Geld nimmt und den Armen gibt, dann ist die Welt wieder in Ordnung. Na Super – damit istallerdings nichts gelöst. Vielleicht nur eine kurzfristige Neidbefriedigung. Alle Geschichten rund ums Geld haben immer was mit Mangel zu tun. Das macht den Geldwert aus. Ganz einfach! Zu allen Zeiten und alle Gesellschaftsschichten haben sich Gedanken darüber gemacht, wie man diesen GeldWERT bekommt ohne einen Gegenwert dafür zu leisten. Hier will man ein echtes Naturgesetz überlisten. ((die Katze fängt nur die Maus, wenn sie sich bewegt) – Profan – ich weiss – aber die einzige Wahrheit – leider.) Und dann kommt es zu den tollsten, oft überholte u. oft widerlegte Theorien, denen auch jetzt die Piraten verfallen. Das einzige was bei all diesen Theorien stört ist”der individuelle, freiheitsliebende Mensch”. Und um diese Störung zu beseitigen baut man eben eine Diktatur auf. Fertig. Im Artikel wird der Weg bereitet, der Staat kann sich mit soviel Geld versorgen wie er will, damit auch das Volk, denn wer ist der Staat? Dann ist der Weg zur eigenen Gelddruckmaschine nicht mehr weit. Dann ist das Geld nichts mehr wert und wir fangen wieder an in Naturalien zu tauschen – auch schön. “Die Märkte” sind eben nicht nur die Unternehmen, sondern Unternehmen UND Privathaushalte Und Staat. Und echte Märkte funktionieren! Staatsschulden sind Schulden der Privathaushalte und der Unternehmen! Wessen Vermögen wird denn mit der Inflation vernichtet und wodurch entsteht denn die Inflation? Inflation ist eine Vermögenssteuer – schön versteckt allerdings. Die oben gezeigte Reichtumsuhr ist Fiktion. Aber die ideologische Tendenz ist klar. Wo ist die Schuldenuhr? Wodurch entsteht Reichtum? Durch “Vermögen” – also Können und Schulden eben durch “Unvermögen”. Ein Staat sollte endlich auch so geführt werden wie ein Privathaushalt oder ein Unternehmen. Es kann nur Geld ausgegeben werden was auch eingenommen wird und je “vermögender” also gebildeter,(vor allem auch bildungswillig), intelligenter, motivierter, begeisterter, reicher ein Volks ist um so reicher ist auch der Staat. Und wenn der Staat auch noch von hoch intelligenten und pragmatischen Politikern geführt wird – dann geht es den Menschen gut. Denn eines wollen doch
    alle ….besser leben..:-)

    • ayatna sagt:

      Wo steht denn in dem Artikel bitte, dass es immer eine feste Menge an Geld gibt? Bitte immer schön bei den Tatsachen bleiben.

      Und echte Märkte funktionieren!

      Diese Aussage ist vollkommen wertlos, solange du nicht klar sagst, was du mit “funktionieren” meinst. Ich kann zum Beispiel auch sagen: Der Markt funktioniert, weil sich letztlich ein Gleichgewicht einstellt. Darüber, dass bei diesem neuen Gleichgewicht dann vielleicht in Griechenland die Menschen auf der Straße sterben weil die Krankenhäuser pleite gegangen sind, das klammert der Apologet des Marktes gerne aus.

      Staatsschulden sind Schulden der Privathaushalte und der Unternehmen!

      Äh, nein. Früher, als die Bundesschuldenagentur noch nicht ganz in der Tasche der Märkte war, konnte man als Bürger einfach so direkt bei denen Bundesschatzbriefe kaufen. Das heißt: du als Bürger hattest dein Vermögen in Form dieser Bundesschatzbriefe, die im Grunde nichts anderes waren als Staatsanleihen.

      Die oben gezeigte Reichtumsuhr ist Fiktion.

      Ahahaha… was bist du nicht für ein toller Troll. Klar, die reichsten 1% sind glücklich wenn das Proletariat der 99% glaubt, Reichtum wäre Fiktion. Die 99% kennen den Reichtum natürlich auch nur aus den Medien, das heißt für sie ist der Reichtum tatsächlich “nur Fiktion”. In einem gewissen Sinn, Sie verstehen schon…

      • Martin Wortmann sagt:

        Ich sehe das natürlich anders, denn natürlich stehen die Bürger für die Staatsschulden ein und das hat nichts
        mit Bundesschatzbriefe oder Staatsanleihen zu tun. Ganz einfach mit Geldentwertung. Oder wenn es einen Haircut gibt wie in Zypern und/oder die Bürger einfach nicht mehr an ihr erarbeitet Geld kommen. Oder wenn jeder wieder mit sagen wir mal 40 € anfangen muss.

        Die Uhr stimmt ja nicht, da gerade, so war zu lesen, die 5 Billionengrenze an Privatvermögen geknackt worden ist..und das hat in Deutschland knapp 60 Jahre gedauert….die 1 Billionengrenze war in den 80er Jahren geknackt worden..in DM…ein fleißiges Völkchen die Menschen in Deutschland gell!….aber stimmen die Zahlen?..wer weiss das schon und wozu ist das denn auch interessant? Es hat eigentlich nicht zu interessieren, denn es ist, wie der Name schon sagt: Privatvermögen.
        Vermögenssteuer (so eine Art politisch legalisierter Raub) ist doch echt super: Wenn das reichste Zehntel die Hälfte vom Vermögen an den Staat abgibt, könnte der Staat alle seine Schulden auf einmal bezahlen. Da hätte allerdings das ärmste Zehntel immer noch nichts davon. Würde das reichste Zehntel alles abgeben und dem ärmsten Zehntel geben – ja super dann hätten wir doch wieder den Ausgangspunkt hergestellt. Merke: Das Geld der Reichen rettet weder den Staat – und schon gar nicht die Armen. Aber Linke denken das immer – hübscher Glaube. Damit hat man ein super Feindbild und echt die sind auch an allem Schuld. Die machen die Welt kaputt! Das Schöne daran ist übrigens, dass dieser Glaube eine emotionale Sperre ins Gehirn baut und jeden weiterführenden Gedanken verhindert. Ich bin sehr zuversichtlich, das die Piraten diesen Sprung schaffen und konstruktiv hier weiter denken. Der Grundgedanke ist schon genial:
        Wir haben was gegen Armut – nicht gegen Reichtum…..na also!

  • Koelner sagt:

    @ Martin Wortmann: Das Geldmonopol sollte ruhig auch in die Hände des Staates gelegt werden, jedoch anders als jetzt die Staatspapiere nicht von Banken als Kommunalobligation oder Bundesobligation sondern direkt vom Staat ausgegeben werden. Das Geldmonopol liegt aktuell noch bei den Zentralbanken. Nur die von Ihnen favorisierte Theorie der Österreichischen Schule von Hayek & Co. krankt daran, dass zwar das Monopol aufgebrochen wird – sprich mehrere Parteien dürfen Geld schöpfen und treten zueinander in Wettbewerb – jedoch bleibt es auch hier beim Fraktional Reserve Lending! Banken können also weiterhin Geld aus dem Nichts schöpfen und haben so die Nase stets vorn. Illustriert: Man legt 100€ auf dem Konto ein, die Bank verleiht das Giralgeld mindestens 9fach, weil nicht damit zu rechnen ist, dass der Kontoinhaber kommt und abhebt. Die Österreichische Schule geht davon aus, dass durch Wettbewerb Wirtschaftswachstum erzeugt wird. Das funktioniert jedoch nur wenn eine Partei verliert – hat also das gleiche Dillema wie das gegenwärtige Schuldgeldsystem, wo sich stets eine Partei zu Gunsten des anderen Wirtschaftssubjekt verschulden muss, damit Wirtschaftswachstum erzeugt wird. Realwirtschaftliche Gegebenheiten werden ausgeblendet, statt auf organisches Wachstum wie es die Natur vorgibt zu berücksichtigen. Ein Baum wächst ja auch nur bzw. bringt Ertrag wenn die Äste ab und an gestutzt werden, um die Triebe entsprechend zu steuern. Das heisst die Abkehr vom Paradigma des dauernden Wirtschaftswachstum im Sinne des Hockey-Sticks. Die Zukunft liegt also nicht in Oligopolen die anstelle des heutigen Geldmonopols treten wie es die Österreicher fordern. Schliesslich können sich Privathaushalte lediglich über Arbeit finanzieren. Im heutigen System gleichen sie mit Mehrarbeit steigende Zinslasten aus bzw. tun das im Wege der anziehenden Steuerspirale im Sinne einer kalten Enteignungspolitik. Ein Schuldendienst ist hier noch gar nicht inbegriffen! Berücksichtigt man nicht nur Einkommenssteuern also direkte sondern auch indirekte wie Verbrauchssteuern liegt die Steuerquote für den durchschnittlichen Privathaushalt heute eh über 50%. Der Zins ist also der Mechanismus für die Verschiebung von Vermögensmassen von Fleissig nach Reich! Schliesslich arbeitet Geld doch nicht, oder wuppts in Ihrem Geldbeutel oder auf dem Bankkonto? Oben habe ich ausgeführt, dass Privathaushalte heute keine Mitsprache haben. Ein Gegensteuern funktioniert also nur durch mehr direkte Demokratie via Plebiszite. Dadurch kontrolliert der Souverän auch das Haushaltsrecht des Parlaments. Die Schweiz fährt mit diesem Modell sehr gut. Die Abkehr vom Schuldgeldsystem ist auch deshalb geboten, weil die Lasten heute so ungleich verteilt sind. Siehe aktuelle Steuerstatistik wonach Private über Lohnsteuer die Hauptlast tragen. Die Kuh wird also ohne Ende gemolken und zwar mehrfach über Verbrauchs- wie Einkommens- bzw. Lohnsteuer. Dadurch können Privathaushalte auch kaum noch Ersparnisse bilden. Die Zinsen sind künstlich über die Notenpresse so niedrig gemacht worden, dass sich Sparen nicht mehr lohnt, um die Konsumkonjunktur zu füttern. Im künftigen Geldsystem sollte wie bei Regionalwährungen die voraussichtliche Inflationsrate eingepreist sein, denn dann fliesst das Geld sofort in den Konsum. Das ist viel vernünftiger als es über einen künstlichen Zinshebel zu machen, wo dann nur eine Partei am meisten kassiert nämlich Bankster die den Zinshebel in der Hand haben. Zugleich sollte ein eigener Kreislauf für das Sparen, Vermögensabsicherung im Alter geschaffen werden. Denkbar wäre hier auf das Modell von Islamic-Banking zurückzugreifen. Hier treten Bankiers noch als richtige Investoren auf d.h. gehen ins Risiko, denn nach Ende der Investitionsphase bekommt der Bankier seinen fairen Anteil am Geschäft. Der Bankier verwendet eigenes Kapital bzw. sammelt es ein wie bei einem Private-Placement wo sich mehrere Privatpersonen zusammenschliessen um eine Investition zu stemmen. Nach Ende der Investitionsphase wird der Gewinn nach Köpfen verteilt. Der Vorteil daran ist dass der Schuldner nicht sofort per Zins den Kapitaldienst aufbringen muss und sich auf das Geschäft konzentrieren kann das Unternehmen zum Erfolg zu führen. Da unser Land vom Aussenhandel lebt bietet sich für den Export das Netting Prinzip an. So wie zu Commecon Tagen werden die Spitzen aufgerechnet und ausgeglichen. Exportüberschüsse durch Real-Assets abgesichert. Nicht so wie heute wo wir quasi gratis dank Target2 an Griechen, Spanier etc. liefern, die nur anschreiben bei der Bundesbank. Auch das Geschäft über den Teich ist ja ein 0-Summenspiel, weil wir hier unsere Arbeitsleistung aus Exportgütern in wertlose Derivate tauschen bzw. wertlose Dollarbündel. Danke Uncle-Sam!

        • Nicolai Hähnle sagt:

          Das war schon auch etwas unfreundlich formuliert von ayatna. Allerdings, bei aller Unhöflichkeit steckt auch ein Kern von Wahrheit drin. Ich vermute, dass nur die wenigsten deinen Kommentar wirklich bis zum Ende durchlesen. Wenn der Text besser formatiert wäre, wäre das sicher anders.

          • Mark Kessler sagt:

            Kann ich bestätigen. Ein gut formatierter Text lässt sich weitaus besser lesen und unterstützt damit den Inhalt. Aus demselben Grund verwendet man ja auch Groß- und Kleinschreibung.

          • uwe sagt:

            >Ich vermute, dass nur die wenigsten deinen Kommentar wirklich bis zum Ende durchlesen.

            Korrekt. Z.B. ich. Nach den ersten paar Zeilen mangels leichter Lesbarkeit abgebrochen.

  • Rudi sagt:

    Ich lege allen Lesern und Kommentatoren folgenden Vortrag von Prof. Dr. Bofinger (Mitglied des Sachverständigenrates der Bundesregierung) ans Herz:
    http://www.youtube.com/watch?v=_y5bN_zDAbY

    Ab 00:20:50 wird es interessant und ab 00:31:13 spricht er die Schuldenbremse an.
    Zitat bei 00:33:25: “Für Deutschland ist diese Schuldenbremse verheerend.”

    Gruß
    Rudi

  • Skrollan sagt:

    Habe soeben hier mal quer gelesen und möchte kurz anmerken: wir befinden uns aktuell im Jahr 2013 und einige “proletarische” “dick” “verstaubte” Betrachtungsweisen finde ich “revolutionär. Da stellt sich mir die Frage, wann ist jemand reich? Und wann arm? Wer definiert das? Wo ist oben? Und wo unten? Und von guckst du? Wo steht ein Hartz IV Empfänger auf der und deiner “Skala”? Fragst du eine Näherin in Bangladesch? Ja gut, das ist sehr weit weg. Frage dich selbst, hinterfrage dich selbst und alles andere? Und hör auf zu glauben – zu wissen – was für andere gut und richtig ist.

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