Euro-Schwäche

Thomas Fricke bringt in der Financial Times die neuesten Zahlen und Entwicklungen zum deutschen Leistungsbilanzüberschuss. Deutschland befindet sich demnach weiterhin in einer Exportabhängigkeit und hat immer weniger Importe, das bringt Probleme mit sich:
“Von wegen Boom der Binnennachfrage. Die hiesige Wirtschaft hängt schon wieder gefährlich einseitig am Export. Und die Handelspartner fahren riskante Bilanzdefizite ein. Das könnte sogar Stoff werden für neuen Ärger mit Barack Obama.

Trendumkehr Seit Monaten steigt der deutsche Exportüberschuss rasant. Dabei bauen Europas Krisenländer ihre Defizite gerade stark ab – auch uns gegenüber.

Ungewöhnlich Die höheren deutschen Überschüsse gehen jetzt zulasten Frankreichs und der USA. Selbst Asien hat jetzt Defizite mit uns.

Die Trendumkehr wirkt umso bizarrer, als Europas viel kritisierte Krisenländer ihre Außenbilanzen dramatisch verbessern, auch gegenüber den Deutschen – wenn auch teils auf brutale Art. Unser Überschuss mit Spanien ist von vierteljährlich zeitweise 7 Mrd. Euro auf zuletzt 2 Mrd. implodiert – den niedrigsten Stand seit Ende der 90er-Jahre. Der Überschuss mit Italien raste seit Sommer 2011 von 4,3 auf nur noch 2 Mrd. Euro – seit die Wirtschaft (auf deutsche Austeritätsempfehlung hin) unnötig in die Rezession geriet. Der deutsche Positivsaldo mit Portugiesen und Griechen sackte auf je ein Drittel.

Wenn die Deutschen überhaupt global wettbewerbsfähiger geworden sind, dann wegen der krisenbedingten Euro-Schwäche, die Waren im Ausland verbilligt – zweifelhafter Verdienst. Der Hauptgrund für das Wiederhochschnellen des Handelsüberschusses liegt auf der anderen Seite der Bilanz: bei der Schwäche der deutschen Importnachfrage.”

http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:konjunktur-deutschlands-schraeger-aufschwung/70115353.html