FAZ

Heute morgen erschien in der FAZ ein sehr guter Artikel von Frank Schirrmacher:  “Zukunft des Journalismus – das heilige Versprechen”.

Innerhalb des Artikels nimmt er in einem Absatz auch Bezug auf die Piraten. Dieser Abschnitt ist für alle Piraten hoch interessant, gerade wenn man ihn in Bezug zu dem ganzen Artikel setzt: Er zeigt wie eng das Thema Gewinnerzielung in der IT Revolution , im Social Media Bereich sowie der Medien vom neoliberalen Paradigma bestimmt wird. Die Versprechen der modernen IT Techniken werden nicht eingelöst, aber immer wieder neu beschworen.
Hier ist sie dann auch, die Schnittmenge zu unserer Arbeit in der AG Geldordnung und Finanzpolitik. Schirrmacher fordert die Piraten geradezu auf diesen Sachverhalt zu thematiesieren und zu kritisieren.

Das Dilemma der Piraten…
Zitat:
“Dabei wissen wir: Die Technologie als „trojanisches Pferd“ – das hat nie funktioniert. Keiner hat das am lebenden Objekt besser bewiesen als die Harvard-Ökonomin Shoshana Zuboff, die die Auswirkungen digitaler Technologien in Unternehmen und Arbeitsumgebungen analysiert hat: Neue Technologien sind immer dem institutionellen Zwang zur Selbstreproduktion unterworfen. Die Piraten, die nach wie vor eines der spannendsten politischen Projekte unserer Zeit bleiben, erleben im Augenblick genau das: Die Technologie ist nicht in der Lage, die partizipativen und emanzipatorischen Prozesse auszulösen, die in der Betriebsanleitung versprochen wurden. Keiner der teilweise dramatisierten Skandale spricht gegen diese Partei als Partei; sie bilden nur die Effekthascherei einer Informationsökonomie ab, die damit begonnen hat, politische Informationen ebenso in der Aufmerksamkeitsökonomie zu auktionieren wie Anzeigen.
Jetzt dreht sich die Spirale institutionell immer weiter nach oben: Man will eine Antwort auf die Euro-Krise von der Partei. Ein Antwort zur Euro-Krise! Dabei müsste man dieser experimentellen Partei Fragen stellen (und sie müssten Antworten geben), die die ganze Gesellschaft voranbringen würden: Keiner weiß besser als die Piraten, was Hass in einer digitalen Gesellschaft ist, Gruppenzwang, Technohybris – Kritik also, nicht kurzfristige Belohnung durch Skandalisierungen wäre verlangt, und das heißt: eine Reflexion über den gesellschaftlichen Preis der neuen Technologien.”

Hier der Link zum ganzen Artikel:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/zukunft-des-journalismus-das-heilige-versprechen-11970610.html

…so formuliert der Ökonom de Grauwe in einer Erwiederung auf Prof. Sinn in der FAZ. Am wichtigsten in seiner Argumentation erscheint mir jetzt die Risikoverlagerung von den privaten Banken und Investoren zur Bundesbank (Steuerzahler der BR Deutschland).
Wenn wir den Sachverlhalt des nicht ausgleichen müssen der Buba Bilanz mal aussen vor lassen, stellt  auch  de Grauwe die Frage nach dem dutschen Exportmodell ins Zentrum seiner Kritik. In einer Währungsunion ergibt sich bei einer solcher Strategie zwangläufig ein Teil der Problematik um die Zahlungsbilananzsalden (Target 2).

Zitat:
“De Grauwe betont, dass damit die heutigen Risiken angelegt wurden. Die Banken, die das Kapital in die Peripherie lenkten, gingen ein hohes Risiko ein. In den Target-Salden war davon nichts zu sehen. Bis zum Ausbruch der Krise lagen diese um die Null-Linie. Erst seit Ausbruch der Krise 2008/2009 schossen die Target-Salden steil auseinander. Warum? Weil die Nord-Banken keinen Kredit mehr gaben. Die Banken der Krisenländer mussten immer mehr auf Kredite bei ihren Notenbanken zurückgreifen. Dieser Geldschöpfung – Sinn spricht von einer „goldenen Kreditkarte – entsprechen auf der anderen Seite des Eurosystems die explosionsartig wachsenden Forderungen der Deutschen Bundesbank sowie anderer mittel- und nordeuropäischer Notenbanken. Die Forderungen stehen nun im Feuer und könnten zu gigantischen Verlusten führen. „Deutschland hätte das vermeiden können, indem es seine Leistungsbilanzüberschüsse reduziert hätte; es weigerte sich, das zu tun, daher liegt die Verantwortung für das Risiko bei Deutschland und nicht bei einem obskuren System wie Target 2“, schreibt De Grauwe.”

Die FAZ nimmt jedoch Sinn etwas in Schutz indem Sie formuliert:

Zitat:
“De Grauwes Widerspruch zu Sinn erscheint aber etwas konstruiert, denn auch der Ifo-Präsident, der die Target-Problematik als Erster thematisiert hat, weiß, dass die Risiken schon im Kapitalfluss vor der Krise angelegt waren. Aber Sinn argumentiert, dass Target eine Verlängerung und Vergrößerung dieser Risiken bewirkt. Durch die unbegrenzte Zentralbankrefinanzierung können die Krisenländer weitere Leistungsbilanzdefizite finanzieren, zum anderen wird Kapitalflucht ausgeglichen. Der Sachverständigenrat hat in seinem Jahresgutachten jüngst erklärt, die Target-2-Salden seien „fast ausschließlich auf Veränderungen der Kapitalströme zurückzuführen“. Sinn sieht dies nur zum Teil als erwiesen an.
Problematisch an De Grauwes Argumentation ist seine Vorstellung, dass das Risiko „für Deutschland“ gleich bleibe – unabhängig davon, ob private Banken und Investoren oder die Bundesbank die Milliardenforderungen gegen die Europeripherie halten. Hinter der Bundesbank steht der deutsche Staat, mithin der Steuerzahler. Dieser haftet also letztlich für das Abenteuer. Auf diese Verlagerung des Risikos von privaten Gläubigern hin zum Steuerzahler im Zuge der „Euro-Rettung“ zielt Sinns Kritik im Kern.”
Quelle: F.A.Z.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/schuldenkrise-ist-target-2-nur-ein-suendenbock-11964519.html

Diese Woche schreibt Dr. Thomas Meyer, Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, in seiner FAZ-Kolumne, dass nun ein Wettlauf der Währungen begonnen hätte.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mayers-weltwirtschaft/mayers-weltwirtschaft-wettlauf-der-waehrungen-11948576.html

Noch vor 2 Monaten hatte er den einsetzenden Währungswettlauf in unserem Mumble-Podiumsgespräch verneint, als ihn Moderator Matthias Garscha fragte, ob wir uns nicht schon in einem weltweiten Abwertungswettlauf (Währungskrieg) befinden würden. Das interessante Podiumsgespräch von damals, kann man hier nachhören:

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=5LTp_HqlqN0

Interessant in seiner aktuellen Kolumne sind auch seine Ausführungen zum Vertrauenensverlust in das Papiergeld, was man als eine eingeschränkte typische Interpretation der Österrreichischen Schule deuten kann.

Der Euro im Gleichgewicht des Schreckens

Hier ein differenzierter Artikel aus der FAZ zur gegenwärtigen Situation in der Währungsunion. Mit Stellungnahmen von Getrud Traud Helaba, Jörg Krämer (Commerzbank), Werner Sinn (IFO) u.a..

Es ist auffällig, wie unterschiedlich die Maßnahmen der EZB und die erwarteten Szenarien beurteilt werden. Man kann sich fragen,  welche Interessen jeweils damit verfolgt werden?!

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/ezb-anleihenkaeufe-der-euro-im-gleichgewicht-des-schreckens-11948620.html