Kapitalflucht

…so formuliert der Ökonom de Grauwe in einer Erwiederung auf Prof. Sinn in der FAZ. Am wichtigsten in seiner Argumentation erscheint mir jetzt die Risikoverlagerung von den privaten Banken und Investoren zur Bundesbank (Steuerzahler der BR Deutschland).
Wenn wir den Sachverlhalt des nicht ausgleichen müssen der Buba Bilanz mal aussen vor lassen, stellt  auch  de Grauwe die Frage nach dem dutschen Exportmodell ins Zentrum seiner Kritik. In einer Währungsunion ergibt sich bei einer solcher Strategie zwangläufig ein Teil der Problematik um die Zahlungsbilananzsalden (Target 2).

Zitat:
“De Grauwe betont, dass damit die heutigen Risiken angelegt wurden. Die Banken, die das Kapital in die Peripherie lenkten, gingen ein hohes Risiko ein. In den Target-Salden war davon nichts zu sehen. Bis zum Ausbruch der Krise lagen diese um die Null-Linie. Erst seit Ausbruch der Krise 2008/2009 schossen die Target-Salden steil auseinander. Warum? Weil die Nord-Banken keinen Kredit mehr gaben. Die Banken der Krisenländer mussten immer mehr auf Kredite bei ihren Notenbanken zurückgreifen. Dieser Geldschöpfung – Sinn spricht von einer „goldenen Kreditkarte – entsprechen auf der anderen Seite des Eurosystems die explosionsartig wachsenden Forderungen der Deutschen Bundesbank sowie anderer mittel- und nordeuropäischer Notenbanken. Die Forderungen stehen nun im Feuer und könnten zu gigantischen Verlusten führen. „Deutschland hätte das vermeiden können, indem es seine Leistungsbilanzüberschüsse reduziert hätte; es weigerte sich, das zu tun, daher liegt die Verantwortung für das Risiko bei Deutschland und nicht bei einem obskuren System wie Target 2“, schreibt De Grauwe.”

Die FAZ nimmt jedoch Sinn etwas in Schutz indem Sie formuliert:

Zitat:
“De Grauwes Widerspruch zu Sinn erscheint aber etwas konstruiert, denn auch der Ifo-Präsident, der die Target-Problematik als Erster thematisiert hat, weiß, dass die Risiken schon im Kapitalfluss vor der Krise angelegt waren. Aber Sinn argumentiert, dass Target eine Verlängerung und Vergrößerung dieser Risiken bewirkt. Durch die unbegrenzte Zentralbankrefinanzierung können die Krisenländer weitere Leistungsbilanzdefizite finanzieren, zum anderen wird Kapitalflucht ausgeglichen. Der Sachverständigenrat hat in seinem Jahresgutachten jüngst erklärt, die Target-2-Salden seien „fast ausschließlich auf Veränderungen der Kapitalströme zurückzuführen“. Sinn sieht dies nur zum Teil als erwiesen an.
Problematisch an De Grauwes Argumentation ist seine Vorstellung, dass das Risiko „für Deutschland“ gleich bleibe – unabhängig davon, ob private Banken und Investoren oder die Bundesbank die Milliardenforderungen gegen die Europeripherie halten. Hinter der Bundesbank steht der deutsche Staat, mithin der Steuerzahler. Dieser haftet also letztlich für das Abenteuer. Auf diese Verlagerung des Risikos von privaten Gläubigern hin zum Steuerzahler im Zuge der „Euro-Rettung“ zielt Sinns Kritik im Kern.”
Quelle: F.A.Z.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/schuldenkrise-ist-target-2-nur-ein-suendenbock-11964519.html