Monetative

Das Gespräch mit Sven Giegold (Finanzexperte der Grünen im Europaparlament) wurde im Janaur 2013 aufgezeichnet. Er spricht offen und ehrlich über die realpolitischen Schranken, die momentan eine tiefergehende Geldreformdebatte in den Parlamenten unmöglich machen. Die “Gefechtslage” würde sich erst ändern, wenn sich mindestens 15% der progressiven Ökonomen für eine solche Debatte einsetzen würden.

Für die Geldsystempiraten bleibt die Forderung nach einer breit angelegten, öffentliche Debatte über das Geldsystem eine Grundforderung. Dies gilt auch insbesondere für die Mitglieder und Mandatsträger der Piraten. Informiert Euch!

Übrigens läuft derzeit eine LQFB-Ini über das Vollgeld. Unterstützer sind willkommen zu zeichnen: Finanzsystem demokratisieren. Mit Vollgeld und Monetative!

Weitere Informationen:

http://wiki.piratenpartei.de/AG_Geldordnung_und_Finanzpolitik/ThemaVollgeldreform

www.monetative.de

http://www.positivemoney.org/

Dradio berichtet von der Monetative Jahrestagung in Berlin

Dradio berichtet von der Monetative Jahrestagung in Berlin

Der Deutschlandfunk sendete am 5.1.2013 einen Hintergrundbericht zur Vollgeld-Reform. Wir haben hier bereits mehrfach über den zunehmenden Bekanntheitsgrad dieses Reformvorschlags berichtet. Nun hat auch der Deutschlandfunk einen ausführlichen und leicht verständlichen Hintergrundbericht zu dieser Reformidee gesendet. Die Protagonisten Joseph Huber, Michael Kumhof, Helge Peukert und auch Richard Werner kommen zu Wort. Interessant ist das Ergebnis einer Umfrage, die Richard Werner unter Frankfurter Bürgern durchführte. Er stellte diese Frage:

Würden Sie einem System zustimmen, in dem die Mehrheit der Geldmenge durch meist private, auch profitorientierte Unternehmen produziert und verteilt wird und nicht durch staatliche Organe?

“Der Ökonom Richard Werner lehrt an der britischen Universität Southampton Internationales Bankgeschäft. Zudem hält er regelmäßig Gastvorlesungen an der Universität in Frankfurt am Main. Die Stadt zählt mit dem Sitz der Europäischen Zentralbank, der Deutschen Börse und diversen Geschäftsbanken zu den wichtigsten Finanzmetropolen der Welt. Die Frankfurter Bürger sollten sich mit Geld also auskennen, dachte sich Werner und führte eine Umfrage durch. Er wollte wissen: Wer macht und verteilt das Geld? Er hat tausend Antworten erhalten und ausgewertet.

Es kam raus, dass 84 Prozent gedacht haben, entweder die Zentralbank oder die Regierung produziert das Geld und entscheidet über die Allokation des Geldes. Dann war noch eine andere Frage, würden Sie einem System zustimmen, in dem die Mehrheit der Geldmenge durch meist private, auch profitorientierte Unternehmen produziert und verteilt wird und nicht durch staatliche Organe. Und da haben über 90 Prozent gesagt, nein, das wollen wir nicht.

Die komplette Sendung kann man hier anhören und nachlesen:

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1968379/

Und bei den Piraten kann man sich noch ausführlicher über das Thema informieren. Daniel Worofka hat dieses umfassende Wiki zum Vollgeld zusammengestellt: https://wiki.piratenpartei.de/AG_Finanzmarktreform/Vollgeldreform

Die Vorträge und Interviews der Vollgeld-Jahrestagung sind im Youtube-Channel der Monetative abrufbar, u.a. mit Michael Kumhof, Richard Werner, Raimund Brichta, Helge Peukert, Christian Felber und vielen anderen: www.youtube/Monetative

Die Website der Monetative unter www.monetative.de

Positive Money - Geldreform in England

Positive Money – Geldreform in England

In London findet in einigen Wochen eine Positive Money Konferenz statt. Da auch mindestens ein Geldsystempirat mitfahren wird, erreichte uns ein Begleitschreiben von Prof. Joseph Huber, gedacht für die Reisegruppe.

Ein spezielles Thema für Insider, es steht aber ausser Frage, dass exakte Definitionen in jeder fachlichen Debatte notwendig sind. Wenn das nicht gegeben ist, und die verwendete Begriffe nicht klar definiert sind, gibt es endlose Diskussionsloops. Das zeigt zumindest die Erfahrung aus den Diskussionen der Mailinglisten und Mumblesitzungen der Geldsystempiraten.

Wir nehmen hier also die Gelegenheit war, zumindest bei der Vollgeld-Reform zu einer klaren Begriffsdefinition beizutragen.

Hier Joseph Hubers aktueller Beitrag zum 100%-Vollgeld-Sprachverständnis im Englischen:

“Anscheinend verwendet die britische Geldreformszene den Ausdruck Full-reserve banking seit ca. 2010 (aufgrund einiger Publikationen von Positive Money und der New Economics Foundation) im Sinne des Vollgeld-Konzeptes nach Huber/Robertson, und das bedeutet:
Reserve = Zentralbankgeld, und Full-reserve = ausschließlich von der Zentralbank in Umlauf gebrachte gesetzliche Zahlungsmittel.

Wenn man das so sieht, dann gilt Full reserve = Vollgeld; obwohl das nicht optimal ist, da es in einem solchen System eine ‘Reserve’ im herkömmlichen Sinn, in einem gesplitteten Interbanken- und Publikumskreislauf, überhaupt nicht mehr gibt. Davon abgesehen, kann der engl. Sprachgebrauch trotzdem Verwirrung stiften und bewirken, dass man aneinander vorbei redet, denn Full-reserve banking war in seiner bislang verbreitet gewesenen Verwendung gleichbedeutend mit 100%-Reserve-Banking (Chicago plan, 100%-money nach Fisher). Das muss man wissen, wenn man auf Englisch über Vollgeld redet. Übrigens kann man zu ‘government-issued oder central-bank-issued money’ auch ‘sovereign money’ sagen.

Wenn ich die nun angelaufene Diskussion in der Positive Money Google-Gruppe zu ‘full-reserve banking’ ansehe, auch die daran sich beteiligenden Nicht-Briten, scheint es auch da nun so zu sein, dass ‘Full-reserve banking’ im Sinn von ‘Vollgeld’ verwendet wird (also nicht mehr im Sinn des 100%-reserve-banking der 1930er Jahre).
https://groups.google.com/forum/#!forum/full-reserve

Mit diesem Hinweis können wir nun gut gerüstet nach London reisen. Hier der Link zu der Veranstaltung: http://www.positivemoney.org/conference/

Die AG Geldordnung und Finanzpolitik veranstaltet in regelmäßigen Abständen Fachgespräche mit bekannten Ökonomen. Am 7.11. 2012 kam der international renommierte Wirtschaftswissenschaftler Prof. Richard Werner ins Mumble der AG Geldordnung und Finanzpolitik. Es dürfte eines der diesjährigen Mumble-Highlights der Geldsystempiraten gewesen sein.

Die Dokumentation dieser Podiumsdiskussion kann als ein Pflichttermin für alle auf Wirtschafts- und Finanzpolitik spezialisierte PiratInnen gesehen werden. Denn gemäss der Ausführungen von Prof. Werner  müsste die Geschichte der VWL neu geschrieben werden. Ein Paradigmenwechsel in den gängigen Lehrmeinungen über Wirtschaftsmodelle scheint dringend angezeigt.

Mit der Aussage, dass es keine empirischen Belege dafür gibt, dass der Zins eine wichtige Kausalvariable zur Steuerung der Wirtschaft darstellt, stellt Werner die allgemeine Lehrmeinung in Frage und macht deutlich: Der Zins als geldpolitisches Werkzeug ist untauglich.

Werner spricht sich daher für eine Neuorientierung in der Volkswirtschaftslehre aus. Die Bedeutung der Banken im Zentrum der Wirtschaft wurde bisher nicht beachtet und in den VWL-Studiengängen und Lehrbüchern findet die Funktionsweise der Banken oder das Thema Geldschöpfung keine Beachtung. Es kann daher nicht weiter verwundern, daß die Mainstream-Volkswirtschaftslehre in der Krisensituation versagt hat. Die Geldschöpfung und das Bankenwesen muss in das Zentrum der Wirtschaftsmodelle gestellt werden, denn Kreditschöpfungsentscheidungen gestalten die wirtschaftliche Landschaft in erheblicher Weise.

Werner unterscheidet in seiner Analyse 3 Modelle der Kreditschöpfung:

1. Die gute Kreditschöpfung (für produktive Zwecke, Investitionen usw.)
2. Konsumkredite (Teil des BIP für Konsum)
3. Kreditvergabe für Transaktionen (Tragen nicht zum BIP bei)

Werner rät dringend zu einem pragmatischen Lösungsansatz, um die Kosten der Krise in den Griff zu bekommen.
Sein Reformvorschlag sieht vor Banken zu sanieren, indem die Zentralbanken die Löcher in den Bankbilanzen zum Buchwert übernehmen (Tatsachenbuchhaltung).
Den Zentralbanken entstehen dadurch keine Kosten, es entsteht keine neue Inflation, der Steuerzahler muss nicht mehr für die Rettungskosten aufkommen und auch der Sparzwang wird überwunden. Banken wird damit geholfen wieder Produktivkredite zu vergeben, die Aufschwung erzeugen.
Um den Staat zu entlasten soll davon abgekommen werden Staatsanleihen auszugeben. Stattdessen soll der Kreditmarktzins genutzt werden, denn Primärmarktzinsen sind zum Einen wesentlich niedriger als Anleihemarktzinsen, und zum Anderen sind die Staaten durch diese Vorgehensweise nicht länger den Spekulanten ausgeliefert.

Er schlägt damit einen politisch machbaren und kurzfristigen Weg vor, die Staatsschuldenkrise kostengünstig in den Griff zu bekommen. Die Staaten würden sich das Geld also direkt bei den Geldschöpfern besorgen, und das sind derzeit die Banken.

Richard Werner gilt auch als ein Unterstützer der Monetative, also einer Verlagerung der Geldschöpfung von den privaten Banken hin zur öffentlichen Hand. Dies ist aber ein Vorschlag, der noch weiter geht und weit mehr politische Aufklärungsarbeit erfordert. Somit ist Werners Reformplan in der momentanen Situation realistischer und wäre politisch einfach umsetzbar.
Warum Werner´s Ausführungen bei den politisch Verantwortlichen bisher auf wenig Resonanz stossen? Auch darauf gibt Werner eine offene und zugleich schockierende Antwort.
Könnte es sein, dass die anhaltende Finanz- und Staatschuldenkrise der europäischen Länder politisch gewünscht ist…?

(Anmerkung: Dieser Artikel beruht auf den Aufzeichnungen eines Protokolls, den genauen Wortlaut der Aussagen Werners kann man in dem obigen Video hören.)

Michael Kumhof und Jeromir Benes (beide Mitarbeiter beim IWF) haben mit Ihrer Arbeit ” The Chicago Plan Revisited” eine hochinteressante Entwicklung mit angestoßen. Dies schreibt die NZZ (wahrlich kein linkes Blatt) in einem neuen Artikel. Die Debatte um Annullierung von Staatsschulden beginnt.

Auszug:

“Wachsendes Interesse

Wie sehr Investoren eine Annullierung von Staatsschulden beschäftigt, deutet Michala Marcussen, leitende Ökonomin der Société Générale, an: Unter ihren Klienten sei dies gegenwärtig sogar die dominierende Frage. Aufgegriffen haben das Thema auch Wirtschaftsblätter wie die «Financial Times» und das «Wall Street Journal». Die Debatte angeregt zu haben scheint ein Arbeitspapier von Jaromir Benes und Michael Kumhof, Mitarbeitern des Internationalen Währungsfonds (IMF), mit dem Titel «The Chicago Plan Revisited». Sie greifen Vorschläge der Ökonomen Irving Fisher und Henry Simons aus den 1930er Jahren zur Reform des monetären Systems auf. Diese würden mit einer Streichung von Staatsschulden einhergehen.”
http://www.nzz.ch/finanzen/uebersicht/boersen_und_maerkte/debatte-um-annullierung-von-staatsschulden-1.17759016

Ergänzend möchte ich hier noch auf 2 Beiträge von Robert Rethfeld (Wellenreiter) hinweisen, der sich dem Thema seit September ebenfalls angenommen hat:

http://www.wellenreiter-invest.de/WellenreiterWoche/Wellenreiter121106.htm
http://www.wellenreiter-invest.de/WellenreiterWoche/Wellenreiter120926.htm