Piratenpartei

Christian Felber

Christian Felber

Wir freuen uns am 15.04.2014 Christian Felber zur Diskussion begrüßen zu können.

Wir nehmen sein neues Buch »Geld. Die neuen Spielregeln« zum Anlass, um mit ihm darüber sprechen, warum die Geld- und Finanzordnung geändert werden sollte und wie ein verfassungsgebender Prozess ablaufen könnte. Außerdem wollen wir über einzelne Elemente einer neuen Geld- und Finanzordnung sprechen. Wie sollen Banken und Finanzmärkte arbeiten? Wie wird Geld in Umlauf gebracht und welche Position nehmen Zentralbank und Staat(en) im System ein? Wie sieht ein passendes Steuerkonzept und besseres, globales Währungssystem aus?

Christian Felber ist ein österreichischer Autor und Referent zu Wirtschafts- und Gesellschaftsfragen. Er ist Gründungsmitglied der österreichischen Sparte von Attac, Initiator des Projektes »Demokratischen Bank« und prägte den Begriff »Gemeinwohl-Ökonomie«.

Das Gespräch findet am Dienstag, 15.04.2014, ab 20:15 Uhr über die Online-Sprachsoftware Mumble statt. Zur Teilnahme muss sich auf dem Mumble-Server der NRW-Piraten eingeloggt werden. Eine Anleitung, wie man die Sprachsoftware Mumble benutzt, findet sich im Wiki der Piratenpartei.

Wie immer sind Gäste herzlich willkommen. Fragen können jederzeit im Fragen- und Vorbereitungspad gestellt werden.

Vergangene Podiumsdiskussionen mit Gästen können hier nachgehört werden.

Update 16.04.2014: Das Gespräch kann nun hier nachgehört werden.

Jörg Buschbeck - Guthabenkrise.de

Jörg Buschbeck – Guthabenkrise.de

Am Mittwoch den 22.1. 2014 um 20 Uhr kommt Jörg Buschbeck als Gast in den NRW-Mumble (AG Geldordnung/Kaminzimmer).

Mit den Gesprächen im “Kaminzimmer” starten die Piraten der AG Geldordnung und Finanzpolitik ein neues Format, das vor allem der internen Weiterbildung der Piraten dienen möchte. Mit den anwesenden Gästen und Fachleuten sollen spezifische Themenbereiche vertieft und in Details besprochen werden. Das geschieht in einer lockeren Runde, sozusagen im virtuellen Hinterzimmer der Geldsystempiraten, bei Punsch und Feuerprasseln.

Interessant ist das überwiegend für diejenigen Piraten, die das Themenfeld bereits für sich entdeckt haben, Spass damit haben und es bearbeiten. Hier kann ihr Wissen im Bereich Wirtschaft und Geldwesen erweitert und vertieft werden, oder wirtschafts- und geldpolitische Positionen debattiert werden.

Wie immer bleibt es aber ein offenes System, d.h. auch Nichtpiraten, somit alle anderen politisch interessierten Wahlbürger, die mehr über unsere Themen erfahren wollen, sind herzlich eingeladen. Mumble nutzen kann jeder, eine Anleitung dazu findet man hier.

Leser und Zuhörer die Fragen an Jörg Buschbeck stellen möchten, können das hier tun: Kaminzimmer-PAD-Fragen.

Hier noch ein paar Hintergrundinformationen zum Gesprächspartner:

Buschbeck war bereits bei uns im Mumble, das Video mit der Tonaufzeichnung gibt es hier: http://www.youtube.com/watch?v=4Vjq_TfF_lk

Die “Guthabenkrise” (statt Schuldenkrise) erklärt Jörg Buschbeck in diesem Video: http://www.youtube.com/watch?v=JKUzHZ9a9Yw

Beide Videos sind sehr zu empfehlen! Sie verlassen die “normale Welt” und sind ein frontaler Angriff auf alle wirtschaftswissenschaftlichen Denksperren.

Sein Gesamtkonzept an Lösungsmöglichkeiten zur Krisenbewältigung findet man auf seinem Blog in Kurzfassung: http://guthabenkrise.wordpress.com/2013/10/12/wie-man-gesells-friedens-idee-ohne-das-unbeliebte-gesell-geld-umsetzt/ und als Langfassung hier: http://guthabenkrise.wordpress.com/2012/01/30/ein-grundlegender-losungsansatz-fur-die-systemkrise-notenbanken-werden-zur-monetative

Einen Ausschnitt aus der Langfassung möchten wir zum Abschluss noch zitieren:

“Geschäftsbanken-Aktiva = nur noch Kredite an private Inlandsprojekte

Die Aktivseite von Bankbilanzen darf nur noch um Forderungen gegen inländische Investitionsprojekte erweitert werden. Für diese Kreditvergaben existieren in Deutschland gute und wohl auch ausreichende Vorschriften für Besicherung und Eigenkapitalunterlegung. Mit der oben beschriebenen Absturzsicherung werden die bestehenden systemischen Risiken minimiert. Sollte es infolge der vorgeschlagenen Reformen zu stärkeren Preissteigerungen bei Sachwerten kommen, dann müssen die Eigenkapitalanforderungen für Kredite allerdings verschärft werden, um eine „Blasenbildung“ mit Kredithebel zu verhindern. Eigenkapitalinduzierte Preiserhöhungen von Sachwerten sind aber keine Blasen, sondern durchaus wünschenswerte Wertsteigerungen, die überschüssige Sparvermögen absorbieren und die realwirtschaftlichen Renditen senken.
Die Sicherheit und Stabilität eines Kreditgeldsystems hängt aber auch an der Vollstreckbarkeit in die Pfänder. Darauf haben wir nur im Inland so viel Einfluss, dass wir die Einlagen ohne Verlustrisiko staatlich garantieren können. Natürlich können die deutschen Anleger auch Projekte im Ausland finanzieren, aber dann nur auf eigenes Risiko mit Eigenkapital. Die „schwäbische Hausfrau“ hätte auf ihr Risiko niemals spanische oder US-amerikanische Subprime-Bauten finanziert, die als Schuldtitel massenweise in deutschen Bankbilanzen gelangten.”

Niko Apel (bekannt als ausgezeichneter Dokumentarfilmer) hat die Piratenpartei während der letzten 9 Monate vor der Bundestagswahl begleitet. Von dem Jubel über den Einzug in den NRW Landtag, über die Aufstellungsversammlung der Berliner Spitzenkandidaten bis zu den vielzähligen Wahlkampfauftritten werden die Ereignisse nocheinmal in Erinnerung gerufen.
Eine gelungene Aufarbeitung einer Zeit, die viele von uns gemeinsam erlebt haben und die, wie ich meine, keinen Piraten emotional unberührt läßt.

“Auf großer Fahrt – Die Piratenpartei” – WDR Dokumentation von Niko Apel – 12.12.2013

(Hinweis: Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich grundsätzlich auf eine gesamte Volkswirtschaft.)

Wie ist das eigentlich mit den Löhnen? Wie hoch sollten sie sein, bzw. wie stark sollten sie steigen?

Für die Löhne (und Gehälter) innerhalb einer Volkswirtschaft gilt grundsätzlich folgende Regel. Löhne sollen an der Produktivität einer Volkswirtschaft angepasst sein und sie sollen jährlich um die Inflationsrate zuzüglich des Produktivitätswachstums steigen (die Inflationsrate und das Produktivitätswachstum kann problemlos jährlich berechnet werden). Das bedeutet:

Jährliches Lohnsteigerung = Inflationsrate + Produktivitätswachstum

Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass diese Steigerung für die Unternehmen kostenneutral ist, weil die Inflationsrate bei den Produkten eingepreist ist und durch die Erhöhung der Produktivität die Unternehmen bei gleichen Lohnkosten mehr Produkte herstellen können.

Die Unternehmen (in ihrer Gesamtheit) können mehr Produkte verkaufen, da ihre Konsumenten (die Lohnempfänger) mehr Einkommen zur Verfügung haben. Wir haben also bei Einhaltung dieser Regel immer eine Win-Win-Situation.

Wer hat bisher dafür gesorgt, dass diese Lohnregel innerhalb einer Volkswirtschaft eingehalten wird? Es waren die Gewerkschaften, die mit den Unternehmen regelmäßig (nicht unbedingt jährlich) die Steigerungen der Löhne verhandelt haben. Dies hat auch viele Jahrzehnte funktioniert.

Leider wurde zum Ende des letzten Jahrhunderts in Deutschland von dieser Lohnregel abgewichen. Man hat uns erzählt, dass der Arbeitsmarkt flexibilisiert werden müsse und die Produktivitätssteigerung nicht in die Lohnerhöhungen, sondern in die Absenkung der Arbeitslosigkeit einfließen solle. Begleitet wurde diese Idee von der „Agenda 2010“ der Regierung Schröder.

Offensichtlich hat dies nicht funktioniert. Die geleisteten Arbeitsstunden sind heute ungefähr genauso hoch wie im Jahr 2000. Die vorhandene Arbeit ist nur anders verteilt worden. Die sichtbaren Schwankungen haben auch nichts mit den Reformen zu tun. Sie sind einfach nur den konjunkturellen Veränderungen geschuldet.

Fakt ist aber auch: Die Löhne in Deutschland sind im letzten Jahrzehnt real gesunken und haben nur dafür gesorgt, dass die Unternehmen einen zusätzlichen (unverdienten) Gewinn erzielt haben.

Zusätzlich haben diese „Reformen“ auch dafür gesorgt, dass die Gewerkschaften deutlich entmachtet wurden. Dem Druck, der durch die Unternehmen und durch die Politik auf die Lohnempfänger und auf die Arbeitslosen ausgeübt wurde, können die Gewerkschaften zurzeit nichts entgegen setzen.

Was könnte man also tun?

Es ist völlig klar, dass die Produktivität nicht gleichmäßig in allen Branchen steigt. Ein Busfahrer hat logischerweise ein anderes Produktivitätswachstum als ein Facharbeiter eines Autoherstellers.

Wie wäre es, wenn die Gewerkschaften zukünftig nicht mehr mit den Unternehmen verhandeln, sondern einfach jährlich den Produktivitätszuwachs der gesamten Volkswirtschaft erfassen und dann untereinander klären, wie  dieses Wachstum auf die einzelnen Branchen aufgeteilt wird? Das Ergebnis dieser gewerkschaftsinternen „Verhandlungen“ wird dann den Unternehmen nur noch mitgeteilt und die haben dies dann umzusetzen. Die Politik sollte dies natürlich durch entsprechende Gesetze begleiten.

Wie oben ausgeführt hilft dies nicht nur den Lohnempfängern, sondern auch den Unternehmen.

Abschließend soll noch angemerkt werden, dass eine jährliche Lohnerhöhung nach der oben genannten Lohnregel auch die angeblichen Probleme der gesetzlichen Rentenversicherung lösen würde. Aber das wird in einem weiter führenden Artikel behandelt werden.

 

Ergänzend zu unserem Artikel über “Die Schuldenbremse” empfehlen wir diesen Vortrag.

Nikolaus Kowall referiert am Göttinger Institut für Demokratieforschung über die Mythen der aktuellen Krisendebatte und führt ein in die volkswirtschaftliche Analyse der Leistungsbilanz.
Mehr unter: http://kritischeoekonomie.wordpress.com/