(Hinweis: Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich grundsätzlich auf eine gesamte Volkswirtschaft.)

Wie ist das eigentlich mit den Löhnen? Wie hoch sollten sie sein, bzw. wie stark sollten sie steigen?

Für die Löhne (und Gehälter) innerhalb einer Volkswirtschaft gilt grundsätzlich folgende Regel. Löhne sollen an der Produktivität einer Volkswirtschaft angepasst sein und sie sollen jährlich um die Inflationsrate zuzüglich des Produktivitätswachstums steigen (die Inflationsrate und das Produktivitätswachstum kann problemlos jährlich berechnet werden). Das bedeutet:

Jährliches Lohnsteigerung = Inflationsrate + Produktivitätswachstum

Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass diese Steigerung für die Unternehmen kostenneutral ist, weil die Inflationsrate bei den Produkten eingepreist ist und durch die Erhöhung der Produktivität die Unternehmen bei gleichen Lohnkosten mehr Produkte herstellen können.

Die Unternehmen (in ihrer Gesamtheit) können mehr Produkte verkaufen, da ihre Konsumenten (die Lohnempfänger) mehr Einkommen zur Verfügung haben. Wir haben also bei Einhaltung dieser Regel immer eine Win-Win-Situation.

Wer hat bisher dafür gesorgt, dass diese Lohnregel innerhalb einer Volkswirtschaft eingehalten wird? Es waren die Gewerkschaften, die mit den Unternehmen regelmäßig (nicht unbedingt jährlich) die Steigerungen der Löhne verhandelt haben. Dies hat auch viele Jahrzehnte funktioniert.

Leider wurde zum Ende des letzten Jahrhunderts in Deutschland von dieser Lohnregel abgewichen. Man hat uns erzählt, dass der Arbeitsmarkt flexibilisiert werden müsse und die Produktivitätssteigerung nicht in die Lohnerhöhungen, sondern in die Absenkung der Arbeitslosigkeit einfließen solle. Begleitet wurde diese Idee von der „Agenda 2010“ der Regierung Schröder.

Offensichtlich hat dies nicht funktioniert. Die geleisteten Arbeitsstunden sind heute ungefähr genauso hoch wie im Jahr 2000. Die vorhandene Arbeit ist nur anders verteilt worden. Die sichtbaren Schwankungen haben auch nichts mit den Reformen zu tun. Sie sind einfach nur den konjunkturellen Veränderungen geschuldet.

Fakt ist aber auch: Die Löhne in Deutschland sind im letzten Jahrzehnt real gesunken und haben nur dafür gesorgt, dass die Unternehmen einen zusätzlichen (unverdienten) Gewinn erzielt haben.

Zusätzlich haben diese „Reformen“ auch dafür gesorgt, dass die Gewerkschaften deutlich entmachtet wurden. Dem Druck, der durch die Unternehmen und durch die Politik auf die Lohnempfänger und auf die Arbeitslosen ausgeübt wurde, können die Gewerkschaften zurzeit nichts entgegen setzen.

Was könnte man also tun?

Es ist völlig klar, dass die Produktivität nicht gleichmäßig in allen Branchen steigt. Ein Busfahrer hat logischerweise ein anderes Produktivitätswachstum als ein Facharbeiter eines Autoherstellers.

Wie wäre es, wenn die Gewerkschaften zukünftig nicht mehr mit den Unternehmen verhandeln, sondern einfach jährlich den Produktivitätszuwachs der gesamten Volkswirtschaft erfassen und dann untereinander klären, wie  dieses Wachstum auf die einzelnen Branchen aufgeteilt wird? Das Ergebnis dieser gewerkschaftsinternen „Verhandlungen“ wird dann den Unternehmen nur noch mitgeteilt und die haben dies dann umzusetzen. Die Politik sollte dies natürlich durch entsprechende Gesetze begleiten.

Wie oben ausgeführt hilft dies nicht nur den Lohnempfängern, sondern auch den Unternehmen.

Abschließend soll noch angemerkt werden, dass eine jährliche Lohnerhöhung nach der oben genannten Lohnregel auch die angeblichen Probleme der gesetzlichen Rentenversicherung lösen würde. Aber das wird in einem weiter führenden Artikel behandelt werden.

 

6 Antworten auf Über Löhne und die Rolle der Gewerkschaften

  • thomasB sagt:

    In der Formel stehen, zweckdienlich um die Rolle der Gewerkschaften hervorzuheben, nur die Löhne. Der Vollständigkeit halber sollen hier auch noch andere Einkommensarten aufgeführt werden:

    (Jährliches Lohn+ Einkommenssteigerung) * (1 – Sparquote) = Inflationsrate + Produktivitätswachstum

    Dann gewinnt die Sparquote, die auch bei den Erwerbstätigen nicht Null ist, gewichtige Bedeutung,
    denn, was gespart wird, ist nicht nachfragewirksam und hat daher keinen Einfluss auf die Inflation.

    Außerdem müsste man noch importierte Inflation und exportiertes Produktivitätswachstum abziehen, wenn eine nicht-geschlossene Volkswirtschaft betrachtet wird.

  • Die oben genannte Lohnfindungsregel ist absolut o.k. Leider haben die Gewerkschaften die Arbeitnehmer aus den Augen verloren, indem sie nichts gegen die exzessive Besteuerung der Werktätigen tun. Im Gegenteil, immer wenn besteuert werden soll sind die Gewerkschaften mit vorne. Sie wettern nicht gegen die Klimareligion und die damit verbundenen Steuern. Sie tun nix gegen die übrigen Verbrauchssteuern. Schade! Hohe Nettolöhne nutzen gar nichts.

  • Im ganzen Lohnfindungsprozess wirkt noch ein weiteres Faktum. Die Wirtschaftsdaten werden in Geld Monetären Einheiten ermittelt. Als Folge der vergangenen und laufenden Massiven Geldmengenausweitung ergibt sich daraus ein verzerrtes Bild der Realen Lage von Volkswirtschaften. Nominell in den Konsumentenpreisen ablesbar waren die Inflationsraten der letzten 2 Jahrzehnte scheinbar gering. Letztlich aber sind sinkende Realeinkommen ebenfalls
    eine sich anders manifestierende Inflation= Geld Kaufkraftschwund. Die NICHT Mitberücksichtigung der überproportionalen Ausweitung = höher als das Realwirtschaftswachstum, haben ein verzerrtes Bild geliefert.
    Dies ist die Ursache für den scheinbar Überraschenden Ausbruch der aktuellen Finanzkriese. Der Real- Geldwert ergibt sich aus der Relation Brutto- Realproduktion Geldmenge und Brutto- Realkonsum. Dieser Prozess verläuft schleichend über längere Zeiträume und wird aus diesem Grunde nur marginal Wahrgenommen. Tja eben bis dieser Prozess scheinbar überraschend durch schockartig auftretende sog. Finanz- Schuldenkriesen in die wahrgenommene Realität hochkocht.

  • uwe sagt:

    Ja, gute Idee. Lass die Gewerkschaften über die Produktivitätssteigerung befinden und wie diese zwischen den Branchen verteilt ist. Das sind diejenigen mit dem umfassenden Wissen, was abgeht und wie man es richtig macht. Eigentlich könnten die auch gleich noch die Unternehmen führen, dann klappt das endlich wie damals in der DDR, ähh ich meine damals in der BRD mit Coop, Neue Heimat, BfG usw. – Oh, Ihr meint, die sind alle pleite. Na, das kann doch mal passieren.

  • uwe sagt:

    und noch eines:

    >können mehr Produkte verkaufen, da ihre Konsumenten (die Lohnempfänger) mehr Einkommen zur Verfügung haben.

    Klar. Dass ich da nicht gleich drauf gekommen bin, sowas aber auch. Na ja, vorausgesetzt die Konsumenten wollen das, z.B. den Drittfernseher. Und vorausgesetzt, die billigere Auslandkonkurrenz bleibt draussen. Nicht zu vergessen, die sparsamen Kunden auf dem Weltmarkt …

  • uwe sagt:

    >Die geleisteten Arbeitsstunden sind heute ungefähr genauso hoch wie im Jahr 2000.

    Ja so ist das. Erfreulicherweise. Was hier unterschlagen wird, das ist der heftige Abstieg der geleisteten Arbeitsstunden in den 10 Jahren vor 2000. Und wenn man sich die Zahlen bis ca. 2005 ansieht, dann sinken die weiter und erreichen erst in jüngster Vergangenheit wieder die Werte von 2000.

    So ein Zufall, dass diese Wende perfekt mit der Agenda 2010 zusammenpasst. Da könnte man glatt einen ursächlichen Zusammenhang implizieren, wenn der denn heute in das Weltbild passen solte. 2004 haben die SPDler das erkannt, heute verdrängen sie es.

    Ach nein, lieber kein Zusammenhang, da schreibt der Autor ja, das liegt an der Konjunktur. Na, weil die ja im Exportland Deutschland auch nichts mit den Arbeitspreisen und en Exportchancen zu tun hat ;-)

    Oder vielleicht doch, weil die 10 Jahre Arbeitszeitrückgang von 1990 bis 2000 wohl auch der schlechten Konjunktur geschuldet sind? Da hat der Export nicht mehr so gebrummt und jede Menge Arbeitsplätze wurden ins billigere Ausland verlagert. Warum bloss?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>